Hypothesen prüfen: Warum die Suche nach Bestätigung nicht genügt

Wenn eine Führungskraft einen Produktionsfehler auf einen Rohstoff zurückführt, können sich die folgenden Prüfungen an dieser ersten Erklärung ausrichten. Die konkrete Führungsfrage lautet: Wie lässt sich eine Hypothese prüfen, ohne dass die Untersuchung zur Suche nach Bestätigung wird?
Was die Forschung belegt
Raymond S. Nickerson (1998, Review of General Psychology) fasst Forschungsarbeiten zur Tendenz zusammen, verfügbare Belege so zu suchen oder zu interpretieren, dass sie bestehende Überzeugungen und Hypothesen stützen. Diese Übersicht beschreibt verschiedene Erscheinungsformen des Bestätigungsfehlers und nicht einen einzelnen, in einer einzigen Situation gemessenen Effekt. Für Führungskräfte ist diese Unterscheidung wichtig: Mehr Daten zu erheben korrigiert eine einseitig ausgerichtete Untersuchung nicht zwangsläufig.
Die gegenteilige Erklärung prüfen
Charles G. Lord, Mark R. Lepper und Elizabeth Preston (1984, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchten die Aufforderung, das Gegenteil des eigenen ursprünglichen Urteils in Betracht zu ziehen. In ihren Experimenten korrigierte dieses Vorgehen bestimmte Urteilsverzerrungen wirksamer als die blosse Aufforderung, unparteiisch zu sein. Der vorgeschlagene Mechanismus ist konkreter als ein Appell an Offenheit: Gründe zugänglich zu machen, die bei der bevorzugten Hypothese gewöhnlich ausser Betracht bleiben.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, der gegenteiligen Erklärung müsse grundsätzlich dasselbe Gewicht zukommen. Damit würde jedoch eine Prüfmethode mit einer Regel zur Gewichtung von Belegen verwechselt. Eine andere Ursache zu untersuchen macht sie nicht ebenso wahrscheinlich wie die erste; es hilft, eine Beobachtung zu finden, mit der sich die Erklärungen unterscheiden lassen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht garantieren
Eine Literaturübersicht und Experimente zum sozialen Urteilen belegen nicht, dass eine solche Aufforderung allein industrielle Entscheidungen verbessert. In der Praxis kann auch die alternative Hypothese zur Formalität werden, die erst formuliert wird, wenn die Wahl bereits feststeht. Die Überprüfung sollte deshalb bei den Belegen ansetzen, die tatsächlich vor der Entscheidung gesucht wurden, und nicht allein bei einem vorhandenen Formularfeld.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Im SHR-Programm zur Entscheidungsfindung wäre eine in Freiburg anwendbare Übung, vor der Entscheidung die bevorzugte Hypothese, eine konkurrierende Erklärung und eine Beobachtung zu dokumentieren, mit der sich beide unterscheiden lassen. Bei einem Fall aus der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, in einem zweisprachigen Industriebetrieb oder in einer Partnerschaft mit dem Hochschulstandort würden Fachbegriffe geklärt und bei Bedarf zwischen Französisch und Deutsch abgestimmt. Während eines Pilotmonats würde das Team den Anteil der Fälle ermitteln, in denen die unterscheidende Beobachtung tatsächlich vor der Entscheidung gesucht wurde, belegt durch einen datierten Eintrag. Dieser Indikator würde eine systematische Untersuchungspraxis überprüfen, ohne als Nachweis besserer Ergebnisse zu gelten. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Freiburg



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