Forschung 2026-06-14 Entscheidungsfindung Bern

Seltene Risiken: Was Erfahrung allein nicht erkennen lässt

Seltene Risiken: Was Erfahrung allein nicht erkennen lässt — SHR, Bern
Seltene Risiken: Was Erfahrung allein nicht erkennen lässt — SHR, Bern

Ein Team kann lange ohne Zwischenfälle gearbeitet haben und dennoch über ein seltenes Risiko schlecht informiert sein. Die konkrete Führungsfrage lautet: Welches Gewicht soll diese Erfahrung haben, wenn eine Schutzmassnahme beibehalten, verstärkt oder gelockert werden soll?

Was die Literatur belegt

Ralph Hertwig, Greg Barron, Elke U. Weber und Ido Erev (2004, Psychological Science) verglichen Entscheidungen unter Risiko auf der Grundlage beschriebener Wahrscheinlichkeiten mit Entscheidungen auf der Grundlage selbst erhobener Ergebnisstichproben. In ihren Experimenten erhielten seltene Ereignisse bei erfahrungsbasierten Entscheidungen im Allgemeinen weniger Gewicht als bei beschreibungsbasierten Entscheidungen. Ergebnisse selbst beobachtet zu haben, gewährleistet somit nicht, dass seltene Ereignisse besser berücksichtigt werden.

Was die eigene Erfahrung ausblendet

Ralph Hertwig und Ido Erev (2009, Trends in Cognitive Sciences) untersuchen die Mechanismen dieser Lücke zwischen Beschreibung und Erfahrung, darunter begrenzte Stichproben und das Gewicht jüngerer Beobachtungen. Ein seltenes Ereignis kann in der betrachteten Stichprobe vollständig fehlen; es kann auch wenig Gewicht erhalten, wenn jüngere Ergebnisse das Urteil dominieren. Deshalb ist zu unterscheiden, was ein Team nicht erlebt hat und was es erlebt, aber nur gering gewichtet hat.

Seltene Risiken: Was Erfahrung allein nicht erkennen lässt — SHR, Bern — Berne
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Der voreilige Schluss

Daraus könnte man ableiten, dass eine schriftlich angegebene Wahrscheinlichkeit stets Vorrang vor der Praxiserfahrung haben sollte. Diese Arbeiten rechtfertigen eine solche Rangordnung nicht: Eine Beschreibung kann unvollständig sein, während Erfahrung lokale Bedingungen sichtbar machen kann, die im Modell fehlen. Der hilfreiche Schluss ist enger gefasst: Dass ein Ereignis innerhalb einer begrenzten Erfahrung nicht aufgetreten ist, genügt nicht als Nachweis einer vernachlässigbaren Wahrscheinlichkeit. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)

Die Grenzen der Daten und der Ereignisregister

Die untersuchten Experimente betreffen hauptsächlich vereinfachte Entscheidungen unter Risiko, nicht regulatorische, gesundheitspolitische oder industrielle Entscheidungen in Bern. Sie liefern weder einen universellen Schwellenwert für Schutzmassnahmen noch ein direktes Mass für die Wirksamkeit eines Ereignisregisters. In der Praxis bleibt ein Register ohne Zwischenfälle schwer interpretierbar, wenn Expositionsdauer, mögliche Ausfallsituationen und Melderegeln nicht dokumentiert sind.

Eine überprüfbare Praxis in Bern

Im SHR-Programm zur Entscheidungsfindung lässt sich in Bern folgende Übung durchführen: Während eines Monats wird jede Entscheidung geprüft, eine Schutzmassnahme beizubehalten, zu verstärken oder zu lockern – etwa bei der Kontinuität einer Dienstleistung der Bundesverwaltung, einem Warnsystem im öffentlichen Gesundheitswesen, der Redundanz im Telekomnetz oder einer Kontrolle in der Präzisionsindustrie. Für jede Entscheidung werden das betreffende seltene Risiko, die beobachtete Exposition ohne Zwischenfall, die Quelle der Risikoschätzung und die verbleibende Unsicherheit festgehalten. Anschliessend wird der Anteil dieser Entscheidungen gemessen, deren Dokumentation diese Punkte ausdrücklich behandelt und nötigenfalls als «unbekannt» kennzeichnet. Dieser Indikator prüft die Nachvollziehbarkeit der Überlegungen, nicht die Richtigkeit der Wahrscheinlichkeiten oder eine nachgewiesene Verringerung der Zwischenfälle. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.

In Bildern: Entscheidungsfindung in Bern

Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Bern — in der Praxis
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Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Bern — Praxis-Workshop
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Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Bern — vor Ort
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