Ein Projekt fortsetzen oder stoppen: Was vergangene Ausgaben nicht rechtfertigen

In der Freiburger Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, der zweisprachigen Industrie oder in Kooperationen mit dem Hochschulstandort kann ein Projektabbruch wie eine Absage an eine gemeinsame Investition wirken. Die Führungsfrage ist präzise: Wie lässt sich über zusätzliche Mittel entscheiden, ohne dass nicht rückholbare Ausgaben an die Stelle eines Arguments treten?
Was die Literatur belegt
Hal R. Arkes und Catherine Blumer (1985, Organizational Behavior and Human Decision Processes) zeigen, dass bereits investiertes Geld, Zeit oder Aufwand die Neigung verstärken können, eine Tätigkeit fortzusetzen. Ihre Arbeiten bringen diesen Effekt insbesondere mit dem Wunsch in Verbindung, nicht als verschwenderisch zu erscheinen. Tatsächlich nicht rückholbare Ausgaben stellen jedoch für sich genommen keinen erwarteten Nutzen einer Fortsetzung dar.
Verantwortung kann die Bindung verstärken
Barry M. Staw (1976, Organizational Behavior and Human Performance) untersucht experimentell die Ressourcenverteilung nach ungünstigen Ergebnissen. In dieser Versuchsanordnung setzen Personen, die für die ursprüngliche Entscheidung verantwortlich sind, mehr zusätzliche Ressourcen ein als Personen ohne diese Verantwortung. Das Ergebnis stützt einen Mechanismus der Selbstrechtfertigung: Wer das Projekt verteidigt, kann damit auch das eigene Urteil verteidigen.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, jedes enttäuschende Projekt müsse gestoppt oder die Entscheidung seiner initiierenden Person entzogen werden. Diese Arbeiten rechtfertigen keine dieser allgemeinen Regeln: Eine Fortsetzung kann weiterhin vorzuziehen sein, wenn der erwartete künftige Nutzen die noch anfallenden Kosten und Risiken überwiegt. Ausstiegskosten, vertragliche Verpflichtungen und erworbenes Wissen müssen deshalb von vergangenen Ausgaben unterschieden werden, die sich nicht mehr zurückgewinnen lassen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Diese klassischen Studien machen ein Urteilsrisiko sichtbar; sie liefern keinen allgemeingültigen Schwellenwert für den Abbruch eines industriellen oder wissenschaftlichen Projekts. Ihre Versuchsanordnungen bilden die Komplexität einer Produktionskette, einer lebensmittelrechtlichen Zulassung oder einer Hochschulpartnerschaft nicht vollständig ab. In der Praxis reicht die Beobachtung, dass ein kostspieliges Projekt weiterläuft, daher nicht aus, um eine irrationale Eskalation festzustellen: Die noch verfügbaren Optionen müssen geprüft werden.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Im SHR-Programm « Prise de décision » könnte eine in Freiburg anwendbare Übung darin bestehen, die nächsten Anträge auf zusätzliche Mittel für ein Projekt der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, ein zweisprachiges Industrieunternehmen oder eine Hochschulkooperation zu prüfen. Eine gemeinsame Vorlage, bei Bedarf auf Französisch und Deutsch, würde für jeden Antrag die nicht rückholbaren Ausgaben, die künftigen Kosten einer Fortsetzung und eines Abbruchs sowie den erwarteten Nutzen jeder Option getrennt ausweisen. Als Kennzahl diente der Anteil der Finanzierungsentscheidungen, für die vor der Genehmigung dieser schriftliche, datierte Vergleich samt einem Kriterium für eine erneute Prüfung vorliegt. Diese Kontrolle würde die Nachvollziehbarkeit der Überlegungen überprüfen, nicht die künftige Rentabilität des Projekts oder das Verschwinden der Verzerrung. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Freiburg



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