Häufiger bewerten: Was die Ergebniskontrolle an der Risikobereitschaft verändert

Ein Dashboard verändert nicht nur, was eine Führungskraft weiss: Es kann auch verändern, wie sie einen Verlust beurteilt. Die konkrete Führungsfrage lautet: Soll jedes Zwischenergebnis zum Anlass werden, das Engagement in einem risikobehafteten Projekt zu überdenken?
Was die Literatur belegt
Shlomo Benartzi und Richard H. Thaler (1995, The Quarterly Journal of Economics) schlagen eine Erklärung für die Aktienrisikoprämie vor, die auf kurzsichtiger Verlustaversion beruht. Ihr Modell verbindet eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Verlusten mit einer häufigen Ergebnisbewertung: Ungünstige kurzfristige Schwankungen können dadurch bei der Beurteilung einer langfristigen Investition stark ins Gewicht fallen. Es handelt sich um eine modellgestützte Erklärung eines Finanzphänomens, nicht um den Nachweis, dass jede häufige Kontrolle Entscheidungen verschlechtert.
Wenn der Bewertungsrhythmus die Wahl verändert
Richard H. Thaler, Amos Tversky, Daniel Kahneman und Alan Schwartz (1997, The Quarterly Journal of Economics) prüfen diesen Mechanismus in einem Experiment zu Investitionsentscheidungen. Teilnehmende mit den häufigsten Bewertungen gehen weniger Risiken ein als jene, deren Ergebnisse stärker zusammengefasst bewertet werden. Das Experiment zeigt damit, dass die zeitliche Gliederung und Darstellung von Ergebnissen die gewählte Mittelverteilung verändern kann, ohne dass die Investitionsmöglichkeiten an sich besser oder schlechter werden.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, Überprüfungen weiter auseinanderzulegen, um mutigere Entscheidungen zu fördern. Das würde jedoch eine höhere Risikobereitschaft mit einer besseren Entscheidung verwechseln. Die vorsichtigere Folgerung lautet, die Überwachung kritischer Signale von der wirtschaftlichen Neubewertung eines Engagements zu unterscheiden: Beide benötigen nicht zwingend denselben Zeitplan. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus den Daten nicht ableiten lässt
Diese Arbeiten bestimmen keine optimale Überprüfungshäufigkeit für ein Medtech-Projekt, eine Hochschulpartnerschaft oder eine Initiative im internationalen Sport. Ein Investitionsexperiment bildet weder Sicherheitsanforderungen noch neue Informationen ab, die ein sofortiges Eingreifen erforderlich machen können. Bei üblichen Dashboards besteht vielmehr das Risiko, jede Veränderung als Entscheidungsanlass zu behandeln, ohne erwartbare Schwankungen von wesentlichen Veränderungen zu unterscheiden.
Eine überprüfbare Praxis in Lausanne
Im SHR-Programm zur Entscheidungsfindung kann sich eine Übung in Lausanne auf ein Medtech-Projekt, eine Hochschulkooperation, eine Initiative eines internationalen Sportverbands oder eine Investition eines Scale-ups im Genferseeraum beziehen. Vor einem Beobachtungszyklus legt das Team die Warnsignale für ein sofortiges Eingreifen und den Termin zur Überprüfung des Engagements fest; anschliessend dokumentiert es jeden Änderungsvorschlag samt Begründung. Zum festgelegten Termin berechnet es den Anteil der Vorschläge, die ausschliesslich auf eine zwischenzeitliche Schwankung zurückgehen, ohne dass eine Warnschwelle überschritten wurde oder neue Informationen zu den Projektannahmen vorliegen. Diese Kennzahl beschreibt, wie empfindlich die Entscheidungsüberprüfung auf die Ergebniskontrolle reagiert; sie beweist nicht, dass seltenere Überprüfungen bessere Ergebnisse bringen würden. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Lausanne, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Lausanne



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