Kreativität bei der Arbeit: Muss die Stimmung immer gut sein?

Wenn ein Team nach einer neuen Lösung sucht, kann eine Führungskraft versucht sein, vor dem Beginn zunächst für eine positive Stimmung zu sorgen. Die nützlichere Frage ist präziser: Muss eine negative Stimmung korrigiert werden, um Kreativität zu fördern, oder sollte man zuerst prüfen, welchen Umgang damit der Kontext ermöglicht?
Was die Forschung belegt
Matthijs Baas, Carsten K. W. De Dreu und Bernard A. Nijstad (2008, Psychological Bulletin) zeigen in einer Metaanalyse, dass sich der Zusammenhang zwischen Stimmung und Kreativität nicht auf den Gegensatz zwischen positiv und negativ reduzieren lässt. Positive Zustände begünstigen Kreativität stärker, wenn sie mit hoher Aktivierung und einer Annäherungsorientierung verbunden sind. Eine angenehme, aber wenig aktivierende Stimmung bietet daher keine gleichwertige Gewähr.
Der Kontext verändert die Bedeutung der Stimmung
Jennifer M. George und Jing Zhou (2002, Journal of Applied Psychology) untersuchten die Beziehungen zwischen Stimmung und Kreativität am Arbeitsplatz unter Berücksichtigung des Kontexts. Ihre Studie zeigt unter bestimmten Bedingungen einen günstigen Zusammenhang zwischen negativer Stimmung und Kreativität, insbesondere bei hoher Anerkennung von Kreativität und hoher Klarheit über die eigenen Gefühle. Sie legt nahe, dass ein unangenehmes Gefühl nicht zwangsläufig mit der Suche nach neuen Ideen unvereinbar ist.

Der vorschnelle Schluss
Daraus abzuleiten, dass Führungskräfte Unzufriedenheit aufrechterhalten sollten, um Erfindungsgeist anzuregen, wäre nicht gerechtfertigt. Ein bedingter Zusammenhang ist weder eine Führungsempfehlung noch eine Rechtfertigung für emotionalen Druck. Im SHR-Programm «Emotionale Intelligenz» können diese Befunde dazu dienen, eine praktische Unterscheidung zu prüfen: Ein Gefühl anzuerkennen bedeutet weder, es unterdrücken noch es hervorrufen zu müssen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht versprechen können
Die Feldstudie allein erlaubt es nicht, der Stimmung eine kausale Wirkung zuzuschreiben; die Metaanalyse wiederum führt unterschiedliche Aufgaben und Kontexte zusammen. Eine originelle Idee zu entwickeln bedeutet noch nicht, eine umsetzbare, sichere oder regulatorisch konforme Lösung zu entwerfen. Die Forschung erlaubt daher nicht, für jeden Workshop eine optimale Stimmung vorzugeben, geschweige denn für jede Person.
Eine überprüfbare Praxis in Bern
In einem Berner Team aus der Bundesverwaltung, dem öffentlichen Gesundheitswesen, der Telekommunikation oder der Präzisionsindustrie könnte eine Übung des Programms darin bestehen, einen Verbesserungsworkshop nicht mit der Aufforderung zu positiver Stimmung zu beginnen. Stattdessen würde die Führungskraft alle einladen, ein arbeitsbezogenes Anliegen in eine zu untersuchende Frage zu übersetzen, ohne dabei ihren emotionalen Zustand offenlegen zu müssen. Als Messgrösse dient der Anteil dieser Fragen, aus denen ein nach vorgängig festgelegten Kriterien neuartiger und umsetzbarer Ansatz entsteht; die Gesamtzahl der Fragen wird im Protokoll festgehalten. Ein Vergleich dieses Indikators über mehrere Workshops hinweg würde helfen, den Nutzen des Vorgehens zu verfolgen, ohne damit eine kausale Wirkung der Stimmung isolieren zu wollen. Weiterführend: entdecken Sie die Emotionale Intelligenz-Weiterbildung in Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Emotionale Intelligenz in Bern



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