Priorisieren: Sollte man die Auswahl vor der Entscheidung begrenzen?

Planungsinstrumente machen zahlreiche mögliche Aufgaben sichtbar, helfen aber nicht immer dabei, die passende Aufgabe für das nächste freie Zeitfenster auszuwählen. Die Führungsfrage lautet konkret: Ermöglicht eine Vorauswahl statt der vollständigen Liste schnellere Entscheidungen, ohne eine wesentliche Priorität auszuschliessen?
Was die Forschung belegt
Sheena S. Iyengar und Mark R. Lepper (2000, Journal of Personality and Social Psychology) zeigen in Experimenten unter anderem zu Konsumentscheidungen und einer universitären Aufgabe, dass ein grösseres Angebot mehr Interesse wecken kann, ohne das Handeln zu fördern. Unter bestimmten untersuchten Bedingungen begünstigt eine kleinere Auswahl die Bereitschaft, sich auf die angebotene Wahl einzulassen. Diese Ergebnisse machen mögliche Kosten einer grossen Auswahl plausibel, belegen aber nicht, dass lange Aufgabenlisten die berufliche Priorisierung grundsätzlich verlangsamen.
Eine zweite Studie verändert die Tragweite des Befunds
Benjamin Scheibehenne, Rainer Greifeneder und Peter M. Todd (2010, Journal of Consumer Research) haben die Überlastung durch Auswahl in einer Metaanalyse erneut untersucht. Der durchschnittliche Effekt lag praktisch bei null, bei erheblichen Unterschieden zwischen den Studien. Schwierigkeiten lassen sich somit nicht allein auf die Anzahl der Optionen zurückführen: Eine allgemeine Regel zur Verringerung der Auswahl wäre unzureichend begründet.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass Führungskräfte ihrem Team stets eine kurze Liste vorlegen sollten. Das würde eine vereinfachte Darstellung mit besserer Entscheidungsqualität verwechseln: Eine Vorauswahl kann Entscheidungen beschleunigen und zugleich eine regulatorische Verpflichtung oder eine kritische Abhängigkeit verdecken. Hier geht es nicht darum, bereits begonnene Arbeit zu begrenzen, sondern zu prüfen, wie das Filtern der Optionen die Wahl der nächsten Aufgabe beeinflusst. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Die Grenzen der Daten und üblicher Listen
Diese Arbeiten vergleichen Priorisierungsmethoden in Genfer Unternehmen nicht direkt miteinander. Berufliche Entscheidungen umfassen Verantwortlichkeiten, Fristen und Folgen für andere, die experimentelle Situationen nur teilweise abbilden. Umgekehrt garantiert eine vermeintlich vollständige Liste keine fundierte Entscheidung, wenn die Aufgaben darin ohne vergleichbare Kriterien aufgeführt sind.
Eine überprüfbare Praxis in Genf
Eine mögliche Übung im SHR-Programm «Zeitmanagement & Priorisierung» besteht darin, anhand anonymisierter Fälle eine vollständige Liste mit einer nach expliziten Kriterien erstellten Vorauswahl zu vergleichen, wobei die vollständige Liste zugänglich bleibt. In Genf können die Fälle ein Privatbankdossier, ein Briefing für eine internationale Organisation, einen Auftrag aus der Luxusuhrenbranche oder ein Rohstoffhandelsgeschäft betreffen; zwingende Verpflichtungen werden vor der Übung festgelegt. Die Formate werden zwischen den Teilnehmenden abgewechselt, die Zeit von der Fallvorstellung bis zur begründeten Wahl gemessen und anschliessend übersehene Verpflichtungen von einer Person beurteilt, die das verwendete Format nicht kennt. Eine schnellere Entscheidung gilt nur dann als günstiges Ergebnis, wenn nicht mehr Verpflichtungen übersehen werden; dieser Versuch bleibt eine lokale Überprüfung und kein Nachweis allgemeiner Überlegenheit. Weiterführend: entdecken Sie die Zeitmanagement & Priorisierung-Weiterbildung in Genf, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Zeitmanagement & Priorisierung in Genf



- zeitmanagement & priorisierung
- Genf
- forschung
- Weiterbildung genf
