Eine Wahl darstellen: Was Worte an der Entscheidung verändern

In der Pharmaindustrie, den Life Sciences oder der Rheinlogistik lässt sich dieselbe Option danach beschreiben, was sie sichert oder was durch sie verloren gehen könnte. Die Führungsfrage ist präzise: Wie lässt sich prüfen, ob eine Empfehlung auf den Folgen einer Option beruht und nicht auf deren Darstellung?
Was die Forschung belegt
Amos Tversky und Daniel Kahneman (1981, Science) zeigten anhand experimenteller Aufgaben, dass Formulierungen mit gleichwertigen Folgen die Präferenzen zwischen einer sicheren und einer riskanten Option verändern können. Ergebnisse als Gewinne oder Verluste darzustellen, ist somit nicht immer neutral. Diese Experimente belegen eine Empfindlichkeit gegenüber dem Framing in den untersuchten Situationen, nicht eine allgemeine und unveränderliche Risikopräferenz.
Unterschiedliche Frames wirken nicht gleich
Irwin P. Levin, Sandra L. Schneider und Gary J. Gaeth (1998, Organizational Behavior and Human Decision Processes) unterscheiden zwischen dem Framing riskanter Entscheidungen, dem Attribut-Framing und dem Ziel-Framing. Ein Merkmal positiv oder negativ zu beschreiben, ist nicht dasselbe, wie zwischen einem sicheren Ergebnis und einer riskanten Alternative zu wählen. Diese Unterscheidung ist für Führungskräfte wichtig: Eine günstigere Bewertung eines Lieferanten belegt für sich genommen noch keine veränderte Risikobereitschaft.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass die positive und negative Darstellung jeder Option bereits genügt, um eine rationale Entscheidung zu gewährleisten. Die zitierten Arbeiten belegen nicht, dass diese doppelte Darstellung Framing-Effekte bei beruflichen Entscheidungen beseitigt. Sie ist eher eine Vorsichtsmassnahme im Verfahren: konkurrierende Formulierungen sichtbar machen, ohne damit Meinungsverschiedenheiten über Wahrscheinlichkeiten oder Prioritäten lösen zu wollen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht klären können
Experimentelle Aufgaben bilden nicht sämtliche regulatorischen, vertraglichen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen industrieller Entscheidungen ab. In einem internationalen F&E-Team können zudem zwei scheinbar symmetrische Formulierungen je nach Sprache oder Definition des erwarteten Ergebnisses unterschiedlich verstanden werden. Bevor eine Abweichung dem Framing zugeschrieben wird, muss deshalb geprüft werden, ob die Optionen tatsächlich dieselben Folgen über denselben Zeithorizont und mit denselben Wahrscheinlichkeiten beschreiben.
Eine überprüfbare Praxis in Basel
Im SHR-Programm zur Entscheidungsfindung kann eine Übung in Basel von einem fiktiven Fall zur Versorgungssicherung für ein internationales F&E-Projekt in den Life Sciences ausgehen, der Pharmaproduktion und Rheinlogistik verbindet. Dazu werden zwei strikt gleichwertige Versionen erstellt, eine mit gesicherten und eine mit nicht gesicherten Lieferungen; vor jeder Diskussion erhält jede teilnehmende Person nach dem Zufallsprinzip nur eine Version. Gemessen wird die Differenz in Prozentpunkten zwischen den Anteilen der Teilnehmenden, die in der jeweiligen Version dieselbe Option empfehlen; Gruppengrössen und anonymisierte Antworten werden zur Überprüfung aufbewahrt. Eine Abweichung ist ein lokales Signal für weitere Prüfungen, für sich allein aber kein ausreichender Beleg; in der Nachbesprechung lassen sich die Formulierungen vergleichen, bevor das Vorgehen auf eine reale Entscheidung übertragen wird. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Basel, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Basel



- entscheidungsfindung
- Basel
- forschung
- Weiterbildung basel
