Optionen vergleichen: Was die getrennte Bewertung verdecken kann

Ein Gremium kann Angebote zunächst einzeln prüfen, sie anschliessend in einer Vergleichstabelle zusammenführen und feststellen, dass sich seine Rangfolge verändert. Die konkrete Führungsfrage lautet: Sollten Optionen getrennt oder gemeinsam bewertet werden, damit relevante Kriterien das angemessene Gewicht erhalten?
Was die Forschung belegt
Christopher K. Hsee (1996, Organizational Behavior and Human Decision Processes) hat experimentell gezeigt, dass sich Präferenzen zwischen der getrennten und der gemeinsamen Bewertung derselben Optionen umkehren können. Seine Evaluierbarkeitshypothese erklärt dieses Phänomen damit, dass bestimmte Merkmale ohne Vergleichsmassstab schwer einzuschätzen sind. Ein Kriterium kann deshalb wenig Gewicht erhalten, nicht weil es unwichtig ist, sondern weil sich seine Ausprägung isoliert schwer interpretieren lässt.
Der Mechanismus: Vergleich macht ein Kriterium interpretierbar
Christopher K. Hsee, George F. Loewenstein, Sally Blount und Max H. Bazerman (1999, Psychological Bulletin) liefern einen Überblick und eine theoretische Analyse dieser Präferenzumkehrungen. Die gemeinsame Bewertung erleichtert die Einordnung bestimmter Unterschiede, die bei einer Einzelbewertung wenig aussagekräftig bleiben. Bei einer technischen Beschaffung kann beispielsweise ein schwer einzuordnender Leistungswert an Gewicht gewinnen, sobald ein Konkurrenzangebot einen Bezugspunkt liefert; dies ist eine Illustration für die Managementpraxis, kein branchenspezifisches Ergebnis dieser Arbeiten.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass Optionen stets nebeneinander verglichen werden sollten. Diese Arbeiten erlauben jedoch nicht, die Methode als Garantie für bessere Entscheidungen zu betrachten: Ein sichtbarer gewordener Unterschied ist nicht zwangsläufig für die Nutzung ausschlaggebend. Die Vergleichstabelle muss deshalb den Bedürfnissen und Mindestanforderungen untergeordnet bleiben, die vor der Prüfung der Angebote festgelegt wurden. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht klären
Präferenzumkehrungen in experimentellen Aufgaben messen nicht unmittelbar den Erfolg einer Beschaffung, einer Partnerschaft oder einer organisatorischen Investition. In der Praxis können Fachwissen, regulatorische Kriterien und bisherige Erfahrungswerte ein Merkmal bereits ohne direkten Vergleich interpretierbar machen. Eine veränderte Rangfolge ist daher ein Anlass zur Prüfung, kein Beweis dafür, dass das erste oder das zweite Urteil falsch ist.
Eine überprüfbare Praxis in Lausanne
Im Rahmen des SHR-Programms zur Entscheidungsfindung lässt sich in Lausanne eine reale Lieferanten- oder Partnerwahl untersuchen, sei es in einem Medtech-Unternehmen, einer Hochschule, einer internationalen Sportorganisation oder einem Scale-up der Genferseeregion. Vor der gemeinsamen Diskussion bewertet jede beteiligte Person dieselben Angebote zunächst getrennt anhand vorab festgelegter Kriterien und anschliessend nebeneinander, ohne zusätzliche Informationen. Gemessen wird der Anteil der Bewertenden, deren bevorzugte Option wechselt; zusätzlich wird das jeweils als ausschlaggebend bezeichnete Kriterium erfasst. Diese Prüfung macht die Empfindlichkeit gegenüber dem Bewertungsmodus nachvollziehbar, ohne allein zu klären, welche Rangfolge besser ist, oder einen möglichen Reihenfolgeeffekt zu isolieren. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Lausanne, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Lausanne



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