Dem Vorgesetzten ausserhalb der Arbeitszeit antworten: Was ist zu klären?

In der Beziehung zur vorgesetzten Person kann Erreichbarkeit zu einer impliziten Verpflichtung werden, die niemand wirklich definiert hat. Die entscheidende Frage lautet: Wie lassen sich Antwortfristen ausserhalb der Arbeitszeit klären, ohne gute Zusammenarbeit mit ständiger Erreichbarkeit gleichzusetzen?
Was die Forschung belegt
Larissa K. Barber und Alecia M. Santuzzi (2015, Journal of Occupational Health Psychology) untersuchen beruflichen Telepressure: die gedankliche Beschäftigung mit arbeitsbezogenen Nachrichten und den Drang, schnell darauf zu antworten. Ihre Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen diesem Druck und Schwierigkeiten bei der Erholung, unter anderem beim Schlaf und beim psychologischen Abschalten. Sie legen nahe, nicht nur die Anzahl der Nachrichten zu betrachten: Auch das Gefühl, antworten zu müssen, verdient Aufmerksamkeit.
Der relevante Mechanismus: psychologisches Abschalten
Sabine Sonnentag und Charlotte Fritz (2007, Journal of Occupational Health Psychology) unterscheiden vier Erholungserfahrungen: psychologisches Abschalten, Entspannung, Kompetenzerleben und Kontrolle über die Freizeitgestaltung. Ihre Validierungsarbeit zeigt, dass Erholung mehr umfasst als das blosse Beenden einer Tätigkeit. Für die Beziehung zur vorgesetzten Person ergibt sich daraus eine hilfreiche Unterscheidung: Nicht mehr zu arbeiten und sich nicht mehr auf Abruf zu fühlen, ist nicht zwangsläufig dasselbe.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass Vorgesetzte ausserhalb der Arbeitszeit niemals Nachrichten senden sollten. Diese Arbeiten prüfen jedoch weder eine solche allgemeine Regel noch die spezifische Wirkung von Nachrichten der direkt vorgesetzten Person. Jemand kann eine Nachricht zu einem persönlich passenden Zeitpunkt senden, ohne eine sofortige Antwort zu erwarten; zum Beziehungsproblem wird dies, wenn die andere Person diesen Unterschied erraten muss. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Diese Studien beruhen unter anderem auf Selbstauskünften und belegen nicht, dass eine Vereinbarung zu Antwortfristen ausreicht, um die Erholung zu verbessern. Ebenso wenig bestimmen sie eine optimale Antwortfrist für sämtliche Berufe. Eine Erreichbarkeitsregel muss deshalb vereinbarte Arbeitszeiten, Pikettdienste und echte Notfälle berücksichtigen, statt jede Anfrage zur Ausnahme zu erklären.
Eine überprüfbare Praxis in Lausanne
Im Rahmen des SHR-Programms zum Aufbau einer wirksamen Beziehung zur vorgesetzten Person bietet sich in Lausanne eine Übung an: übliche Antwortfristen und einen Notfallkanal schriftlich vereinbaren, unter Berücksichtigung der jeweiligen Anforderungen von Medtech, Hochschulen, internationalem Sport und Scale-ups im Genferseeraum. Während zweier Wochen hält das Tandem für jede Anfrage der vorgesetzten Person ausserhalb der vereinbarten Arbeitszeiten lediglich den Versandzeitpunkt und die erwartete Antwortfrist fest und zählt anschliessend die Fälle mit unterschiedlichen Interpretationen. Die Kennzahl ist der Anteil der Anfragen, bei denen Uneinigkeit über die erwartete Antwortfrist besteht: ein Mass für Klarheit in der Zusammenarbeit, nicht für individuelle Leistung. Eine Wiederholung nach der Klärung zeigt, ob die Unklarheit abnimmt, ohne damit eine gesundheitliche Wirkung nachzuweisen. Weiterführend: entdecken Sie die Eine wirksame Beziehung zur Führungskraft aufbauen-Weiterbildung in Lausanne, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Eine wirksame Beziehung zur Führungskraft aufbauen in Lausanne



- eine wirksame beziehung zur führungskraft aufbauen
- Lausanne
- forschung
- Weiterbildung lausanne
