Priorisieren: Soll kreative Arbeit beschleunigt werden?

In einem Forschungs- und Entwicklungsteam beanspruchen das Entwickeln einer Lösung und das Ausführen eines festgelegten Verfahrens nicht dieselben Ressourcen. Die Führungsfrage lautet deshalb: Sollen explorative Aufgaben demselben Zeitdruck unterliegen wie Aufgaben, deren Vorgehen bereits feststeht?
Was die Literatur belegt
Markus Baer und Greg R. Oldham (2006, Journal of Applied Psychology) untersuchten den Zusammenhang zwischen wahrgenommenem Zeitdruck und Kreativität bei der Arbeit. Der beobachtete umgekehrt U-förmige Zusammenhang hängt von der Offenheit für Erfahrungen und der Unterstützung für Kreativität ab: Er ist kein allgemeines Gesetz, wonach mittlerer Druck immer optimal wäre. Für Führungskräfte bedeutet dies, dass Fristen nicht unabhängig von der Person und ihrem Arbeitsumfeld festgelegt werden können.
Auch die Motivation verändert die Art des Ergebnisses
Teresa M. Amabile (1985, Journal of Personality and Social Psychology) lenkte in einem Experiment die Aufmerksamkeit von Personen, die kreativ schrieben, auf intrinsische oder extrinsische Gründe für das Schreiben. Die unter der extrinsischen Bedingung entstandenen Texte wurden als weniger kreativ beurteilt als jene der anderen Bedingungen. Die Studie untersucht keine Fristen, zeigt aber, dass die Darstellung einer Aufgabe deren kreative Qualität beeinflussen kann, unabhängig von der verfügbaren Zeit.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass innovative Teams grundsätzlich grosszügigere Fristen erhalten sollten. Das würde einen bedingten Zusammenhang in eine allgemeine Handlungsregel verwandeln und zugleich Zeitdruck fälschlich mit extrinsischer Motivation gleichsetzen. Vorsichtiger ist es, Lieferzusagen von den Phasen zu unterscheiden, in denen das Team noch mehrere Lösungen entwickeln und vergleichen muss. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus den Daten nicht ableiten lässt
Die Feldstudie zum Zeitdruck reicht nicht aus, um nachzuweisen, dass veränderte Fristen eine Verbesserung der Kreativität verursachen. Ebenso wenig lässt sich aus dem Schreibexperiment eine passende Stundenzahl für die pharmazeutische Forschung oder die Gestaltung eines Logistikprozesses ableiten. Eine als kreativ beurteilte Idee ist zudem nicht zwingend sicher, regelkonform oder praktisch nutzbar: Dafür braucht es eigene Kriterien.
Eine überprüfbare Praxis in Basel
In Basel könnte ein Pharma- oder Life-Sciences-Team in einem internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit einer Rahmenbedingung aus der Rheinlogistik eine ausdrückliche Trennung zwischen der Erkundung von Optionen und der Umsetzung der gewählten Lösung erproben. Einen Monat lang würde es für jede explorative Aufgabe die geplante und tatsächliche Zeit, den wahrgenommenen Druck und das Vorliegen mehrerer vor der Entscheidung dokumentierter und anhand vorab festgelegter technischer und regulatorischer Kriterien verglichener Optionen erfassen. Die zentrale Messgrösse wäre der Anteil dieser Aufgaben mit einem dokumentierten Vergleich, gemeinsam betrachtet mit der Einhaltung kritischer Termine, ohne eine Veränderung als Kausalnachweis darzustellen. Im Programm «Zeitmanagement & Priorisierung» von SHR — Swiss Human Resources würde diese Erfassung eine konkrete Abwägung unterstützen: Wo lässt sich Exploration schützen, ohne die Belastung auf Partner zu verlagern? Weiterführend: entdecken Sie die Zeitmanagement & Priorisierung-Weiterbildung in Basel, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Zeitmanagement & Priorisierung in Basel



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