Wiederholte Informationen: Was Vertrautheit nicht beweist

Bei einer Investitions- oder Partnerschaftsentscheidung kann dieselbe Aussage in einer Präsentation, einer Zusammenfassung und einem Austausch mit einem Lieferanten wiederkehren. Die konkrete Führungsfrage lautet: Wie lässt sich verhindern, dass diese Verbreitung als Ansammlung unabhängiger Belege verstanden wird?
Was die Literatur belegt
Lynn Hasher, David Goldstein und Thomas Toppino (1977, Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior) zeigten, dass die Wiederholung von Aussagen deren wahrgenommene Gültigkeit erhöhen konnte. In ihrem Experiment wurden Aussagen wiederholt vorgelegt, deren Wahrheitsgehalt die Teilnehmenden beurteilen sollten. Es belegt einen Einfluss der Wiederholung auf das Urteil, nicht eine Verbesserung der Richtigkeit der Information.
Warum Wissen nicht immer genügt
Lisa K. Fazio, Nadia M. Brashier, B. Keith Payne und Elizabeth J. Marsh (2015, Journal of Experimental Psychology: General) zeigten, dass einschlägiges Wissen nicht durchgehend vor diesem Effekt schützte. In ihren Experimenten konnte Wiederholung die Glaubwürdigkeit falscher Aussagen erhöhen, selbst wenn die Teilnehmenden über das Wissen verfügten, um ihnen zu widersprechen. Die Leichtigkeit, mit der eine Aussage verarbeitet wird, kann somit zum Wahrheitsurteil beitragen, ohne dass das verfügbare Wissen tatsächlich herangezogen wird.

Der vorschnelle Schluss
Daraus abzuleiten, dass wiederholte Informationen grundsätzlich verdächtig seien, wäre überzogen. Übereinstimmende unabhängige Beobachtungen sind etwas anderes als mehrere Dokumente, die dieselbe Aussage wiedergeben. Entscheidend ist daher nicht die Unterscheidung zwischen neuer und vertrauter Information, sondern zwischen unabhängiger Bestätigung und blosser Weiterverbreitung. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Experimente nicht nachweisen
Diese experimentellen Arbeiten messen nicht direkt die Qualität industrieller Entscheidungen, die auf dokumentierten Unterlagen beruhen und unter regulatorischer Verantwortung getroffen werden. Sie erlauben es nicht, den Wiederholungseffekt in einem Pharmagremium, einem Forschungsteam oder einer Logistikleitung zu beziffern. Sie begründen Aufmerksamkeit für die Herkunft von Aussagen, zeigen aber nicht, dass eine Quellenprüfung allein wirtschaftliche Ergebnisse verbessert.
Eine überprüfbare Praxis in Basel
Im Rahmen des SHR-Programms « Prise de décision » lässt sich in Basel eine Übung anhand eines Entscheidungsdossiers zu einer Pharma- oder Life-Sciences-Partnerschaft, zur Rheinlogistik oder zur internationalen F&E durchführen. Für jede entscheidungsrelevante Aussage, die in mehreren Unterlagen vorkommt, hält das Team die ursprüngliche Quelle, die Übernahmen und eine allfällige unabhängige Bestätigung fest. Gemessen wird der Anteil dieser Aussagen, deren Herkunft geprüft wurde, jeweils mit einem eindeutigen Status: unabhängig bestätigt, auf eine einzige Quelle zurückgehend oder ungeklärt. Der Vergleich dieses Anteils vor und nach der Übung macht einen Fortschritt bei der Nachvollziehbarkeit überprüfbar, ohne ihn mit dem Nachweis einer besseren Entscheidung gleichzusetzen. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Basel, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Basel



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