Schnell entscheiden: Was gewonnene Zeit nicht garantiert

In Basler Organisationen steht die Koordination zwischen Pharma, Life Sciences, Rheinlogistik und internationaler Forschung und Entwicklung häufig unter Zeitdruck. Die entscheidende Frage lautet: Woran lässt sich erkennen, ob schnellere Entscheidungen auf einem besseren Prozess beruhen oder auf einer grösseren Bereitschaft, Fehlerrisiken hinzunehmen?
Was die Literatur belegt
Richard P. Heitz (2014, Frontiers in Neuroscience) fasst die Forschung zum Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit zusammen: Bei vielen experimentellen Aufgaben verändert eine stärkere Gewichtung der Geschwindigkeit die Fehlerhäufigkeit. Die Reaktionszeit allein ist deshalb kein Leistungsindikator. Eine Beschleunigung muss unter vergleichbaren Bedingungen zusammen mit der Richtigkeit der Antworten betrachtet werden.
Die Schwelle vor der Antwort
Roger Ratcliff und Gail McKoon (2008, Neural Computation) stellen ein Modell vor, in dem eine Entscheidung zwischen zwei Antworten durch die Ansammlung von Evidenz bis zu einer Schwelle entsteht. In diesem Modell kann eine schnellere Antwort unter anderem eine niedrigere Entscheidungsschwelle widerspiegeln, statt einer besseren Informationsgewinnung. Das Modell unterscheidet zudem die eigentliche Entscheidungszeit von Komponenten wie der Reizverarbeitung und der Ausführung der Antwort.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass langsameres Entscheiden grundsätzlich bessere Ergebnisse liefert. Diese Arbeiten rechtfertigen eine solche allgemeine Regel nicht: Schulung, übersichtlichere Informationen oder eine einfachere Aufgabe können die Geschwindigkeit erhöhen, ohne die Genauigkeit zu beeinträchtigen. Die Führungsfrage betrifft daher die Herkunft des Zeitgewinns und nicht die Geschwindigkeit für sich genommen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus den Daten nicht übertragen lässt
Die beschriebenen Modelle werden hauptsächlich an wiederholten, relativ einfachen Aufgaben geprüft, bei denen sich richtige Antworten festlegen lassen. Entscheidungen über ein Forschungsportfolio oder Abwägungen in der internationalen Logistik haben zeitlich verzögerte Folgen und teilweise widersprüchliche Ziele. Ihnen lässt sich deshalb weder unmittelbar eine messbare psychologische Schwelle zuordnen, noch darf angenommen werden, dass jede zusätzliche Stunde ihre Qualität verbessert.
Eine überprüfbare Praxis in Basel
Im SHR-Programm zur Entscheidungsfindung bietet sich an einer Basler Schnittstelle zwischen Pharma, Life Sciences, Rheinlogistik und internationaler Forschung und Entwicklung folgende Übung an: Eine wiederkehrende Kategorie nicht sicherheitskritischer Koordinationsentscheidungen wird systematisch erfasst. Vor und nach einer Prozessänderung werden die mediane Dauer vom vollständigen Dossier bis zum Entscheid sowie der Anteil der wegen eines dokumentierten Fehlers korrigierten Entscheidungen innerhalb eines jeweils gleich langen Nachbeobachtungszeitraums erhoben; Auswahl- und Fehlerkriterien bleiben unverändert. Eine kürzere Dauer bei gleichzeitig mehr Korrekturen reicht nicht aus, um eine Verbesserung festzustellen; diese Erhebung liefert ein überprüfbares Signal, aber keinen Kausalnachweis und keinen Grund, regulatorische Kontrollen zu lockern. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Basel, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Basel



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