KI einführen: Kann das Team auch ohne sie weiterarbeiten?

Ein KI-Werkzeug kann unverzichtbar werden, bevor die Organisation geklärt hat, wie bei seinem Ausfall gearbeitet werden soll. Die konkrete Führungsfrage lautet: Welche Kompetenzen müssen erhalten bleiben, damit das Team eine wesentliche Tätigkeit ohne dieses Werkzeug fortsetzen kann?
Was die Literatur belegt
Lisanne Bainbridge (1983, Automatica) beschreibt eine klassische Schwierigkeit der Automatisierung: Je mehr Routineabläufe ein System übernimmt, desto weniger Gelegenheit haben Menschen, die für eine Übernahme erforderlichen Fähigkeiten zu üben. Dennoch wird erwartet, dass sie eingreifen, sobald eine Situation entsteht, die das System nicht angemessen bewältigt. Diese Analyse misst nicht die Auswirkungen heutiger generativer KI, sondern zeigt einen Widerspruch in der Arbeitsgestaltung auf.
Abhängigkeit entsteht auch durch die Organisation
Raja Parasuraman und Victor Riley (1997, Human Factors) unterscheiden zwischen angemessener Nutzung der Automatisierung, übermässigem Vertrauen, Nichtnutzung und Einführungsentscheidungen, die menschliche Folgen vernachlässigen. Ihre Übersichtsarbeit zeigt, dass sich diese Verhaltensweisen nicht auf individuelle Technikvorlieben reduzieren lassen. Die Zuverlässigkeit des Systems, die Arbeitsbelastung und die Nutzungsbedingungen prägen den Umgang mit dem Werkzeug.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass weiterhin alles manuell erledigt werden müsse, um Kompetenzen zu erhalten. Diese Arbeiten rechtfertigen eine solche Regel nicht: Jeden Handgriff unverändert beizubehalten, würde einen Teil des Nutzens der Automatisierung aufheben. Entscheidend ist vielmehr, jene Tätigkeiten zu bestimmen, deren Unterbrechung kaum hinnehmbar wäre, sowie die Fähigkeiten, die für ihre Wiederaufnahme benötigt werden. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus den Daten nicht ableiten lässt
Diese Veröffentlichungen behandeln Automatisierung im weiteren Sinn und stammen aus der Zeit vor heutigen generativen Assistenzsystemen. Sie liefern weder eine allgemeingültige Übungshäufigkeit für das Arbeiten ohne KI noch einen allgemeingültigen Zeitraum für den Verlust von Kompetenzen. Wenn ein Team eine Aufgabe mit Unterstützung rasch abschliesst, belegt dies allein deshalb nicht, dass es sie auch mit eingeschränkter Systemunterstützung fortsetzen könnte.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Im SHR-Programm « Conduire l’adoption de l’IA dans son équipe » wäre in Freiburg eine Übung zur Weiterarbeit ohne KI denkbar, entwickelt mit einem zweisprachigen Lebensmittel- oder Industrieunternehmen und gegebenenfalls einem Partner aus dem lokalen Hochschulumfeld. Anhand eines fiktiven Falls ausserhalb des laufenden Betriebs würde das Team eine betriebliche Übergabe auf Französisch und Deutsch vorbereiten, mit zugelassenen Referenzunterlagen, aber ohne generatives Assistenzsystem. Die Führungskraft würde die Zeit bis zu einer verwendbaren Fassung und den Anteil der in jeder Sprache korrekt wiedergegebenen Pflichtinformationen messen, anhand eines vorab festgelegten Prüfrasters und entsprechender Schwellenwerte. Dieser Test würde keinen durch KI verursachten Kompetenzverlust beweisen, sondern die aktuelle Fähigkeit zur Weiterarbeit und den Übungsbedarf sichtbar machen. Weiterführend: entdecken Sie die KI-Einführung im Team gestalten-Weiterbildung in Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: KI-Einführung im Team gestalten in Freiburg



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