Das beste Projekt auswählen: Was die Rangfolge überschätzen kann

Eine Geschäftsleitung vergleicht mehrere Investitionen und wählt jene mit dem höchsten geschätzten Wert. Die entscheidende Frage lautet: Bleibt diese Schätzung auch nach der Auswahl des Projekts eine angemessene Erwartung?
Was die Forschung belegt
James E. Smith und Robert L. Winkler (2006, Management Science) formalisieren den «Fluch des Optimierers»: Wer aus mehreren unsicheren Bewertungen die höchste Schätzung auswählt, kann den Wert des gewählten Projekts überschätzen. In ihrem Modell gewährleisten Schätzungen, die vor der Auswahl unverzerrt sind, keine unverzerrte Schätzung für den Gewinner. Eine Rangfolge kann somit zugleich ein gutes Projekt und einen besonders günstigen Schätzfehler auswählen.
Der verwandte Mechanismus des Fluchs des Gewinners
Richard H. Thaler (1988, Journal of Economic Perspectives) untersucht ein verwandtes Problem bei Auktionen für ein Gut, dessen Wert für alle Beteiligten gleich, aber unsicher ist. Der Zuschlag kann darauf hindeuten, dass man eine der höchsten Schätzungen abgegeben hat, statt eine aussergewöhnlich günstige Gelegenheit entdeckt zu haben. Die Situationen unterscheiden sich, teilen aber einen Mechanismus: Die Auswahl liefert Informationen über den möglichen Fehler der siegreichen Bewertung.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, das erstplatzierte Projekt zu meiden oder sämtliche Prognosen pauschal nach unten zu korrigieren. Diese Arbeiten rechtfertigen keine dieser beiden Regeln. Der Ansatz von James E. Smith und Robert L. Winkler (2006, Management Science) besteht vielmehr darin, Schätzungen unter Berücksichtigung ihrer Unsicherheit und der verfügbaren Informationen über mögliche Werte zu revidieren. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was interne Daten allein nicht zeigen
Das Ergebnis von James E. Smith und Robert L. Winkler (2006, Management Science) beruht auf einer Modellierung und misst nicht, wie häufig das Phänomen in Neuenburger Unternehmen auftritt. Eine Rentabilität unter der Prognose kann auch auf eine Marktveränderung oder ein Umsetzungsproblem zurückgehen. Werden nur ausgewählte Projekte dokumentiert, lässt sich ein allgemeiner Prognosefehler nur schwer von einem Auswahleffekt unterscheiden.
Eine überprüfbare Praxis in Neuchâtel
In einem Neuenburger Unternehmen der Mikrotechnik, Uhrenindustrie oder Präzisionsmikroelektronik kann das SHR-Programm «Entscheidungsfindung» einen Vergleich von Anlageninvestitionen als Übung nutzen. Vor dem Entscheid werden für jede Option der geschätzte jährliche Nutzen, die Unsicherheitsspanne und die Mengenannahmen festgehalten; anschliessend bewertet eine Person die gewählte Option neu, ohne deren Rang oder den angegebenen Nutzen zu kennen. Die überprüfbare Kennzahl ist die Differenz in Franken pro Jahr zwischen der ursprünglichen Schätzung und dieser zweiten Bewertung sowie später zwischen jeder Schätzung und dem tatsächlich beobachteten Nutzen zu einem vor dem Entscheid festgelegten Prüftermin. Über mehrere Entscheide hinweg kann diese Erfassung wiederkehrende Überschätzungen sichtbar machen, ohne allein deren Ursache nachzuweisen. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Neuenburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Neuenburg



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