Dienen individuelle Ziele der Teamleistung?

Ein Team kann aus Mitarbeitenden bestehen, die ihre individuellen Ziele erreichen, ohne gemeinsam das erwartete Ergebnis zu liefern. Für das SHR-Programm «Teamleistung» lautet die präzise Führungsfrage: Wie lassen sich individuelle Ziele setzen, ohne die Arbeit zu beeinträchtigen, auf die andere Teammitglieder angewiesen sind?
Was die Forschung belegt
Ad Kleingeld, Heleen van Mierlo und Lidia Arends (2011, Journal of Applied Psychology) zeigen in einer Metaanalyse, dass spezifische, anspruchsvolle Gruppenziele die Gruppenleistung gegenüber unspezifischen Zielen verbessern. Ihre Analyse unterscheidet zudem individuelle Ziele, die den Einsatz auf das Gruppenergebnis ausrichten, von solchen, die den persönlichen Erfolg in den Vordergrund stellen. Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein individuelles Ziel kann das Team unterstützen oder mit dessen Interessen konkurrieren.
Der Mechanismus: Aufmerksamkeit und Einsatz lenken
Edwin Locke und Gary Latham (2002, American Psychologist) erläutern, dass Ziele die Aufmerksamkeit lenken, Einsatz mobilisieren, Ausdauer unterstützen und die Suche nach Strategien fördern. Ihre Wirksamkeit hängt unter anderem von der Zielbindung, von Rückmeldungen und von der Aufgabenkomplexität ab. Bei voneinander abhängigen Aufgaben legt dieser Ansatz nahe, zu prüfen, ob die individuellen Prioritäten auch jene Beiträge einschliessen, die andere für ihre Arbeit benötigen.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, sämtliche individuellen Ziele einfach durch ein gemeinsames Ziel zu ersetzen. Das wäre zu weitgehend: Die Metaanalyse unterscheidet ausdrücklich verschiedene Möglichkeiten, beide Ebenen miteinander zu verbinden. Problematisch ist somit nicht die individuelle Verantwortung an sich, sondern die Möglichkeit, gemäss der eigenen Kennzahl erfolgreich zu sein und gleichzeitig das gemeinsame Ergebnis zu verschlechtern. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Diese Arbeiten liefern keine universell gültige Gewichtung individueller und gemeinsamer Ziele. Die Vielfalt der untersuchten Aufgaben und Forschungsdesigns begrenzt die direkte Übertragbarkeit auf ein bestimmtes Team. Auch in der Praxis genügt die Feststellung, dass alle ihre Ziele erreichen, nicht als Beleg dafür, dass diese Ziele die Gesamtleistung verbessern.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Im Rahmen des SHR-Programms «Teamleistung» könnte ein Pilotversuch einem Team der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, einem zweisprachigen Industrieteam oder einem Projekt zwischen einem Unternehmen und dem Hochschulstandort Freiburg angeboten werden. In zwei aufeinanderfolgenden, gleich langen Zeiträumen würden die bisherigen Ziele mit individuellen Zielen verglichen, die jeweils einen Beitrag zum gemeinsamen Arbeitsergebnis benennen, bei Bedarf mit inhaltlich übereinstimmenden französischen und deutschen Formulierungen. Gemessen würde der Anteil der geplanten Arbeitsergebnisse, die fristgerecht eingereicht und ohne Nacharbeit abgenommen werden, anhand vorab festgelegter Kriterien und dokumentiert in einem gemeinsamen Protokoll. Umfang und Schwierigkeit der Arbeitsergebnisse sollten vergleichbar bleiben: Eine Verbesserung wäre ein nützlicher lokaler Hinweis, kein Kausalnachweis. Weiterführend: entdecken Sie die Team-Performance-Weiterbildung in Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Team-Performance in Freiburg



- team-performance
- Freiburg
- forschung
- Weiterbildung freiburg
