Projektmanagement: Kann ein grösseres Team den individuellen Einsatz verringern?

Wenn sich die Arbeit in einem Arbeitspaket häuft, erscheint eine personelle Verstärkung sinnvoll. Die präzisere Führungsfrage lautet: Unter welchen Bedingungen leisten zusätzliche Personen tatsächlich einen Beitrag, statt die individuelle Verantwortung weniger erkennbar zu machen?
Was die Forschung belegt
Bibb Latané, Kipling Williams und Stephen Harkins (1979, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchten den individuellen Einsatz beim Klatschen und Rufen, allein oder gemeinsam. Ihre Experimente zeigen einen Rückgang der individuellen Anstrengung, wenn die Teilnehmenden glauben, zu einer Gruppenleistung beizutragen; reine Koordinationsverluste reichen als Erklärung nicht aus. Dieses Phänomen, das als soziales Faulenzen bezeichnet wird, bedeutet nicht, dass die Gruppe insgesamt zwangsläufig weniger leistet: Individuelle Beiträge summieren sich jedoch nicht automatisch.
Der Mechanismus: Der eigene Beitrag erscheint weniger entscheidend
Steven Karau und Kipling Williams (1993, Journal of Personality and Social Psychology) stellen eine Metaanalyse und ein Modell vor, das die Anstrengung mit dem wahrgenommenen Nutzen des individuellen Beitrags für ein als wertvoll erachtetes Ergebnis verknüpft. Ihre Synthese zeigt insbesondere, dass die Bewertbarkeit individueller Beiträge und die Bedeutsamkeit der Aufgabe das soziale Faulenzen beeinflussen. Für Projektverantwortliche legt dies nahe, nicht nur zu prüfen, wer zum Team hinzukommt, sondern auch, welchen erkennbaren Beitrag diese Person ermöglicht.

Der vorschnelle Schluss
Daraus abzuleiten, dass Teams immer klein bleiben sollten, wäre überzogen. Seltene Fachkompetenz, zusätzliche Prüfkapazität oder eine tatsächliche Aufteilung der Arbeit können eine Verstärkung rechtfertigen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einer Person, die einen klar definierten Bedarf abdeckt, und einer Person, die einem Kollektiv mit weiterhin unklaren Einzelbeiträgen hinzugefügt wird. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten nicht entscheiden können
Experimentelle Aufgaben zur Anstrengungsleistung bilden weder die Dauer noch die Anforderungen eines Medtech-Projekts oder einer Hochschulpartnerschaft ab. Die Metaanalyse verbreitert die empirische Grundlage, liefert aber keine optimale Teamgrösse für jedes Projekt. Beiträge sichtbar zu machen sollte auch nicht bedeuten, ausschliesslich individuelle Arbeitsergebnisse zu würdigen: Gegenseitige Unterstützung und die Prüfung fremder Arbeit könnten sonst aus den Bewertungskriterien verschwinden.
Eine überprüfbare Praxis in Lausanne
In einem Lausanner Projekt aus Medtech, Hochschulen, internationalem Sport oder einem Scale-up der Genferseeregion lässt sich vor einer personellen Verstärkung ein Arbeitspaket auswählen und festhalten, welche Beiträge einschliesslich Unterstützung und Prüfung erwartet werden. Während zweier gleich langer Zeiträume vor und nach der Verstärkung werden die nach unveränderten Kriterien abgenommenen Arbeitsergebnisse, die insgesamt eingesetzten Arbeitsstunden und die verlangten Nachbesserungen erfasst. Ein Vergleich der abgenommenen Ergebnisse pro Arbeitsstunde unter Dokumentation unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade beweist kein soziales Faulenzen, hilft aber zu prüfen, ob die Verstärkung den erwarteten Nutzen bringt. Dies ist eine konkrete Übung für das SHR-Programm «Projektmanagement»: Den erwarteten Beitrag klären, bevor Personalbestand und Leistungsfähigkeit gleichgesetzt werden. Weiterführend: entdecken Sie die Projektmanagement-Weiterbildung in Lausanne im Kanton Waadt, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Projektmanagement in Lausanne



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