Schwächt die Bitte um Rat die Glaubwürdigkeit einer Führungskraft?

Eine Führungskraft, die um Rat bittet, macht eine Grenze ihres Wissens sichtbar, anerkennt aber zugleich die Expertise ihres Gegenübers. Die Führungsfrage lautet präzise: Schwächt eine Bitte um Rat vor einer Entscheidung die Kompetenz, die ihr zugeschrieben wird?
Was die Forschung belegt
Alison Wood Brooks, Francesca Gino und Maurice E. Schweitzer (2015, Management Science) zeigen in einer Reihe von Experimenten, dass die Bitte um Rat die wahrgenommene Kompetenz der ratsuchenden Person erhöhen kann. Dieser Effekt zeigt sich insbesondere bei schwierigen Aufgaben und dann, wenn das Gegenüber persönlich in einem Bereich angesprochen wird, in dem es sich selbst für kompetent hält. Die Bitte wird somit nicht zwangsläufig als Eingeständnis mangelnder Fähigkeiten verstanden: Sie kann das Urteilsvermögen der angesprochenen Person aufwerten.
Rat einzuholen bedeutet nicht, ihn zu nutzen
Silvia Bonaccio und Reeshad S. Dalal (2006, Organizational Behavior and Human Decision Processes) unterscheiden in ihrer Literaturübersicht zwischen den Bedingungen, unter denen Rat eingeholt wird, und jenen, unter denen er in eine Entscheidung einfliesst. Die untersuchten Arbeiten beschreiben unter anderem die Tendenz, dem eigenen Urteil mehr Gewicht beizumessen als dem Urteil beratender Personen. Rat zu erhalten, kompetent zu wirken und eine Entscheidung zu verbessern sind somit drei unterschiedliche Ergebnisse.

Der vorschnelle Schluss
Daraus liesse sich ableiten, dass Führungskräfte häufiger um Rat bitten sollten, um ihre Glaubwürdigkeit zu stärken. Die Ergebnisse rechtfertigen diese allgemeine Empfehlung nicht: Die Schwierigkeit der Aufgabe und die dem Gegenüber zugeschriebene Expertise spielen eine Rolle. Eine sinnvolle Bitte betrifft eine tatsächliche Unsicherheit und einen erkennbaren Beitrag, statt lediglich den Anschein einer Konsultation zu erwecken. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht versprechen können
Die Experimente zur wahrgenommenen Kompetenz belegen nicht, dass wiederholte Bitten um Rat das Vertrauen in eine Führungskraft dauerhaft stärken. Auch die Übersicht zur Nutzung von Ratschlägen ist keine Evaluation eines Kommunikationstrainings. In einer Organisation bleiben die hierarchische Beziehung, die bisherigen Erfahrungen im Austausch und die abschliessende Entscheidungsverantwortung zu untersuchen.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
In einem Workshop des SHR-Programms «Communication» in Sion könnte ein Test mit fiktiven Situationen aus Wasserkraft, Gesundheitswesen, Weinbau und alpinem Tourismus arbeiten. Für jede Situation werden zwei Versionen zufällig an die Teilnehmenden verteilt: Eine Führungskraft formuliert einen vorläufigen Vorschlag; in der anderen Version ergänzt sie eine Bitte um Rat an eine Person, die ausdrücklich als fachkundig beschrieben wird. Anschliessend wird die wahrgenommene Kompetenz anonym auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet, und die Mittelwerte beider Versionen werden für jede Situation separat verglichen. Die Differenz wäre ein lokaler Anhaltspunkt für die Aufnahme der Botschaft, kein Beleg für bessere Entscheidungen oder mehr Vertrauen im Arbeitsalltag. Weiterführend: entdecken Sie die Kommunikation-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Kommunikation in Sitten



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