Change Management: Rechtfertigt ein erfolgreicher Pilot die breite Einführung?

Bevor Organisationen eine Veränderung breit einführen, erproben sie diese häufig mit einem freiwillig teilnehmenden und besonders intensiv betreuten Team. Die präzise Führungsfrage lautet: Sagt dieser Erfolg etwas über die Lösung aus oder vor allem über die aussergewöhnlichen Bedingungen ihrer Erprobung?
Was die Forschung belegt
Jerker Denrell (2003, Organization Science) zeigt anhand einer theoretischen Analyse, wie die Unterrepräsentation von Misserfolgen in beobachteten Erfahrungen irreführende Vorstellungen über Erfolgsfaktoren hervorbringen kann. Werden nur Organisationen oder Praktiken betrachtet, die sich gehalten haben, lässt sich daraus nicht isolieren, was ihre Leistung erklärt. Auf Veränderungspiloten übertragen, legt dieser Mechanismus nahe, auch abgebrochene Versuche und nicht berücksichtigte Teams zu untersuchen, statt nur die präsentierten Ergebnisse.
Aus einem Fall lernen, ohne ihn zum Beweis zu erklären
James G. March, Lee S. Sproull und Michal Tamuz (1991, Organization Science) untersuchen, wie Organisationen aus seltenen oder sogar einmaligen Erfahrungen lernen können. Sie betonen unter anderem den Nutzen, mehrere Deutungen desselben Ereignisses zu prüfen, statt dessen Ergebnis bereits als hinreichende Erklärung zu behandeln. Ein Pilot wird entsprechend aufschlussreicher, wenn neben der Schlussbilanz auch erhaltene Unterstützung, Zwischenfälle und Behelfslösungen dokumentiert werden.

Der vorschnelle Schluss
Der bequeme Schluss wäre, dass ein günstiges Pilotergebnis die Einführung rechtfertigt, während ein ungünstiges die Veränderung ausschliesst. Diese Arbeiten legen vielmehr nahe, das beobachtete Ergebnis von den Bedingungen zu unterscheiden, die es ermöglicht haben. Ein freiwillig teilnehmendes Team mit direktem Zugang zu den Entwicklern kann die Machbarkeit einer Lösung aufzeigen, ohne deren Tragfähigkeit mit den üblichen Ressourcen nachzuweisen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Diese Artikel sind keine experimentellen Evaluationen von Veränderungspiloten und liefern keinen allgemeingültigen Schwellenwert für eine breite Einführung. In der Praxis ist es zudem nicht unbedingt falsch, ein verfügbares oder besonders kompetentes Team auszuwählen: Dies kann helfen, Mängel der Lösung aufzudecken. Problematisch wird es, wenn diese Auswahl im Bericht nicht mehr sichtbar ist und die Pilotbedingungen stillschweigend für alle Teams vorausgesetzt werden.
Eine überprüfbare Praxis in Lausanne
In Lausanne kann eine Übung im SHR-Programm « Conduite du changement » von einem realen Projekt in einem Medtech-Unternehmen, einer Hochschule, einer internationalen Sportorganisation oder einem Scale-up der Genferseeregion ausgehen. Vor dem Versuch werden ein operatives Erfolgskriterium und eine Obergrenze für die Unterstützung festgehalten; anschliessend werden die tatsächlich benötigten Unterstützungsstunden pro bearbeitetem Fall im Pilotteam und in einem Team unter üblichen Arbeitsbedingungen erfasst. Der Vergleich der Unterstützungsprotokolle und der Ergebnisse anhand desselben Kriteriums macht überprüfbar, ob der Erfolg auch ausserhalb der privilegierten Pilotbedingungen sichtbar bleibt, ohne damit allein Kausalität nachzuweisen. Weiterführend: entdecken Sie die Change-Leadership-Weiterbildung in Lausanne im Kanton Waadt, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Change-Leadership in Lausanne



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