Change Management: Was entscheidet eine Voreinstellung?

Wenn eine Organisation ein neues Werkzeug einführt, entscheidet sie auch darüber, was geschieht, wenn niemand die vorgeschlagenen Einstellungen ändert. Die Führungsfrage ist präzise: Darf man aus dem Beibehalten einer Voreinstellung schliessen, dass die Teams diese bevorzugen?
Was die Forschung belegt
William Samuelson und Richard Zeckhauser (1988, Journal of Risk and Uncertainty) zeigen, dass eine als Status quo dargestellte Option mit höherer Wahrscheinlichkeit gewählt werden kann. Ihre Experimente weisen darauf hin, dass Entscheidungen nicht nur von den Eigenschaften der Optionen abhängen, sondern auch davon, ob diese als bestehender Zustand präsentiert werden. Bei einer organisatorischen Veränderung gilt es deshalb, eine ausdrücklich geäusserte Präferenz von einer lediglich beibehaltenen Konfiguration zu unterscheiden.
Wenn die Ausgangseinstellung zum Anker wird
Brigitte C. Madrian und Dennis F. Shea (2001, The Quarterly Journal of Economics) untersuchen die Einführung der automatischen Anmeldung zu einem betrieblichen Altersvorsorgeplan in den USA. Sie beobachten eine höhere Teilnahme sowie eine Häufung der Entscheidungen beim voreingestellten Beitragssatz und bei der voreingestellten Anlageaufteilung. Ihre Analyse legt nahe, dass diese Einstellungen als Empfehlung des Arbeitgebers verstanden werden können, über den blossen Aufwand einer Änderung hinaus.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass es für einen erfolgreichen Wandel genügt, das gewünschte Verhalten vorzuwählen. Diese Arbeiten zeigen vielmehr, dass eine Entscheidungsarchitektur das Verhalten lenken kann, ohne damit zu belegen, dass die Menschen die gewählte Option verstehen oder gutheissen. Eine Einstellung kann sinnvoll sein, doch ihr Beibehalten ist für sich genommen keine gemeinsame Bestätigung. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Entscheidungsexperimente und die Untersuchung eines Vorsorgeplans belegen nicht, dass Voreinstellungen die Arbeitsqualität in einem Unternehmen im Wandel verbessern. Die Folgen hängen unter anderem davon ab, wie sichtbar die Einstellung ist, ob sie tatsächlich geändert werden kann und welche Risiken damit verbunden sind. Zudem ist eine frei wählbare Option von einer regulatorischen Vorgabe oder einer Sicherheitsregel zu unterscheiden.
Eine überprüfbare Praxis in Lugano
Im Rahmen des SHR-Programms «Conduite du changement» lässt sich in Lugano eine reversible interne Einstellung ohne Compliance-Relevanz untersuchen, etwa das Anzeigeformat einer Statusübersicht in einer Bank, einem Mode- oder Handelsunternehmen oder einem italienischsprachigen Familien-KMU. Während eines vorab festgelegten Zeitraums wird der Anteil der Nutzenden erfasst, die die Ausgangseinstellung beibehalten; anschliessend wählen sie ausdrücklich zwischen gleichwertig beschriebenen Optionen ohne Vorauswahl, auf Italienisch, sofern dies ihre Arbeitssprache ist. Danach wird unter den Personen, die die Voreinstellung beibehalten haben, der Anteil berechnet, der bei dieser Überprüfung eine andere Option wählt. Diese Abweichung misst nicht die gesamte Zustimmung zum Wandel, ermöglicht aber zu prüfen, ob das Beibehalten der Einstellung ein verlässlicher Hinweis auf eine Präferenz war. Weiterführend: entdecken Sie die Change-Leadership-Weiterbildung in Lugano im Kanton Tessin, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Change-Leadership in Lugano



- change-leadership
- Lugano
- forschung
- Weiterbildung lugano
