Zeitmanagement: Soll jede Stunde als Kostenfaktor gelten?

In einer Organisation hilft die Berechnung der Kosten einer Stunde, konkurrierende Verwendungen von Zeit zu vergleichen. Die präzisere Führungsfrage lautet: Klärt diese monetäre Übersetzung die Prioritäten, oder verändert sie die Kriterien, nach denen diese gewählt werden?
Was die Forschung belegt
Sanford E. DeVoe und Jeffrey Pfeffer (2007, Organizational Behavior and Human Decision Processes) zeigen, dass eine stundenweise Bezahlung und das Hervorheben eines Stundenwerts eine ökonomische Bewertung von Zeit begünstigen. Ihre Arbeiten untersuchen unter anderem die Folgen dieser Perspektive für die Bereitschaft, Zeit für Freiwilligenarbeit einzusetzen. Für die Führung ist nicht entscheidend, dass Kostenberechnungen grundsätzlich schädlich wären, sondern dass sie psychologisch nicht neutral sind.
Die Darstellung verändert, was zählt
Cassie Mogilner und Jennifer Aaker (2009, Journal of Consumer Research) zeigen in Konsumkontexten, dass der Verweis auf Zeit statt auf Geld die Einstellung zu einem Produkt verändern kann, indem er die persönliche Verbindung zum Erlebnis stärkt. Dieser Effekt hängt insbesondere von der Art des Produkts und der Beziehung ab, die Menschen zu dessen Besitz haben. Die Ergebnisse verdeutlichen einen möglichen Mechanismus: Wer über monetäre Kosten oder über erlebte Erfahrungen spricht, rückt nicht zwangsläufig dieselben Wertkriterien in den Vordergrund.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, Stundensätze aus Diskussionen über Prioritäten zu verbannen. Keine dieser Arbeiten rechtfertigt diese Empfehlung: Kosten bleiben für die Verteilung begrenzter Ressourcen unverzichtbar. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen den Kosten der eingesetzten Zeit und dem Wert des erwarteten Ergebnisses, insbesondere wenn sich dieser nicht unmittelbar in Ertrag übersetzen lässt. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus diesen Daten nicht ableiten lässt
Freiwilligenarbeit und Konsumeinstellungen sind keine Messgrössen für die Leistung eines Genfer Teams. Diese Studien belegen daher weder, dass eine monetäre Darstellung berufliche Entscheidungen verschlechtert, noch, dass eine andere Wortwahl sie systematisch verbessert. Die gängige Praxis wird fragwürdig, wenn sie eine teure Stunde ungeprüft mit einer schlecht eingesetzten Stunde gleichsetzt.
Eine überprüfbare Praxis in Genf
Im SHR-Programm «Zeitmanagement & Priorisierung» bietet sich eine Übung an, die zwei Darstellungen derselben Tätigkeiten vergleicht: Die eine nennt den Zeitaufwand und die monetären Kosten, die andere ergänzt das erwartete Ergebnis und die Folgen einer Verschiebung. In Genf könnten die Fälle die Pflege einer Beziehung im Private Banking, die Vorbereitung einer Verhandlung in einer internationalen Organisation, die Weitergabe von Fachwissen in der Luxusuhrenindustrie oder die Prüfung einer Gegenpartei im Rohstoffhandel betreffen. Zwei Gruppen ordnen dieselben Fälle unabhängig voneinander nach Priorität, jeweils mit einer anderen Darstellung; gemessen wird der Anteil der Tätigkeiten, deren Rang sich zwischen den beiden Ranglisten unterscheidet. Der Unterschied beweist nicht, welche Rangliste besser ist: Er macht überprüfbar, wie empfindlich Prioritäten auf ihre Darstellung reagieren, bevor die verwendeten Kriterien diskutiert werden. Weiterführend: entdecken Sie die Zeitmanagement & Priorisierung-Weiterbildung in Genf im Kanton Genf, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Zeitmanagement & Priorisierung in Genf



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