KI-Einführung: Weitermachen, weil wir bereits investiert haben?

Nach dem Kauf eines Tools und der Schulung des Teams kann das Einstellen einer KI-Anwendung wie eine Absage an einen gemeinsamen Entscheid wirken. Die Führungsfrage lautet deshalb präzise: Wie lässt sich über die Fortsetzung entscheiden, ohne aus vergangenen Investitionen eine Verpflichtung zum Weitermachen abzuleiten?
Was die Forschung belegt
Barry Staw (1976, Organizational Behavior and Human Performance) untersuchte experimentell die Eskalation von Commitment bei einer Entscheidung über die Zuteilung von Ressourcen. In dieser Versuchsanordnung begünstigte die persönliche Verantwortung für den ursprünglichen Entscheid weitere Investitionen nach negativen Ergebnissen. Der Befund verweist auf eine Führungsproblematik: Wer eine Lösung ausgewählt hat, ist nicht zwangsläufig am besten geeignet, deren Finanzierung unvoreingenommen neu zu beurteilen.
Wenn vergangener Aufwand zum Argument wird
Hal Arkes und Catherine Blumer (1985, Organizational Behavior and Human Decision Processes) beschreiben den Effekt versunkener Kosten: Bereits investiertes Geld, Zeit oder Mühe können dazu beitragen, dass eine Handlung fortgesetzt wird. Ihre Untersuchungen verdeutlichen insbesondere die Rolle des Wunsches, nicht verschwenderisch zu erscheinen. Auf KI übertragen ergibt sich daraus eine zu prüfende Hypothese, kein gesicherter Befund: Der Schulungsaufwand könnte zum Argument werden, eine Anwendung beizubehalten, deren künftiger Nutzen ungewiss bleibt.

Der vorschnelle Schluss
Daraus liesse sich ableiten, jede Anwendung einzustellen, sobald die ersten Ergebnisse enttäuschen. Damit würde man die Eskalation von Commitment mit einem Durchhalten verwechseln, das durch weiterhin plausible Vorteile begründet ist. Eine bereits erworbene Kompetenz kann künftige Kosten senken; eine nicht mehr rückgängig zu machende Ausgabe ist hingegen für sich genommen kein Grund zum Weitermachen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten nicht entscheiden können
Diese Studien behandeln weder generative KI noch Arbeitsteams im Wallis. Sie liefern keinen allgemeingültigen Schwellenwert für einen Abbruch, und eine Fortsetzung nach einem Misserfolg belegt für sich genommen noch keine Entscheidungsverzerrung. Die Beurteilung muss auch Ausstiegskosten, vertragliche Verpflichtungen und den Wert der noch zu erwartenden Lernerfahrungen berücksichtigen.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Im Rahmen des Programms «Die KI-Einführung im eigenen Team gestalten» könnte ein Team in Sion diese Unterscheidung bei seiner nächsten Überprüfung der KI-Anwendungen vornehmen. Ob Dokumentation in der Wasserkraft, administrative Aufgaben im Gesundheitswesen, Verkaufsinhalte im Weinbau oder Gästeinformationen im alpinen Tourismus: Jede Anwendung würde unter getrennter Betrachtung versunkener Ausgaben, künftiger Kosten und erwarteter Vorteile beurteilt. Die vorgeschlagene Kennzahl ist der Anteil der Fortsetzungsentscheide, deren Protokoll einen überprüfbaren künftigen Nutzen, einen Termin für dessen Überprüfung und eine geprüfte Alternative einschliesslich der Einstellung festhält. Dieser Indikator prüft die Nachvollziehbarkeit des Entscheids, nicht die Wirtschaftlichkeit der KI; er macht jedoch Entscheide erkennbar, die ausschliesslich mit «Wir haben bereits investiert» begründet werden. Weiterführend: entdecken Sie die KI-Einführung im Team gestalten-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: KI-Einführung im Team gestalten in Sitten



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