In Vevey: einen Vorschlag erklären, bevor man seine Position verteidigt

Bei einer Führungsentscheidung können beide Seiten eine Lösung entschieden vertreten, deren Funktionsweise sie nur unzureichend erklären. Die hilfreiche Frage lautet: Trägt die Frage, wie ein Vorschlag zum erwarteten Ergebnis führen soll, stärker zur Überprüfung der eigenen Position bei als die Frage, warum man ihn unterstützt?
Was die Forschung belegt
Leonid Rozenblit und Frank Keil (2002, Cognitive Science) zeigen, dass Menschen ihr Verständnis vertrauter Mechanismen überschätzen, unter anderem der Funktionsweise alltäglicher Gegenstände. Müssen sie eine detaillierte Erklärung geben, schätzen sie dieses Verständnis anschliessend geringer ein. Dieser Befund unterscheidet das Gefühl, etwas zu verstehen, von der Fähigkeit, die Schritte eines Mechanismus zu beschreiben; Meinungsverschiedenheiten am Arbeitsplatz untersucht er nicht unmittelbar.
Einen Mechanismus erklären statt Gründe aufzuzählen
Philip M. Fernbach, Todd Rogers, Craig R. Fox und Steven A. Sloman (2013, Psychological Science) übertragen diesen Ansatz auf politische Massnahmenvorschläge. In ihren Experimenten verringert die Aufforderung, die Funktionsweise dieser Vorschläge zu erklären, das wahrgenommene Verständnis und führt zu weniger extremen Positionen; die Aufforderung, Gründe für die Unterstützung zu nennen, hat nicht dieselbe Wirkung. Eine plausible Deutung lautet: Wer Gründe aufzählt, kann eine Präferenz verteidigen, ohne die zugrunde liegenden kausalen Verknüpfungen zu prüfen.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass die Bitte um eine Erklärung genügt, um einen Konflikt zu lösen. Die Ergebnisse betreffen jedoch die Neubewertung des eigenen Verständnisses und der eigenen Position, nicht das Erreichen einer gemeinsamen Einigung oder die Qualität einer Entscheidung. Eine Meinungsverschiedenheit kann zudem auf klar erkannten Interessen oder Werten beruhen: Den Mechanismus zu präzisieren beseitigt sie nicht. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht versprechen können
Diese Experimente belegen nicht, dass eine Geschäftsleitung nach einer Erklärungsrunde bessere Entscheidungen trifft. Im Unternehmen können verteiltes Fachwissen, Hierarchie und Reputationsrisiken beeinflussen, wie Menschen antworten. Schwierigkeiten mit einer mündlichen Erklärung beweisen deshalb weder mangelnde Kompetenz noch die Schwäche eines Vorschlags; es muss möglich sein, Unterlagen beizuziehen und andere betroffene Fachbereiche einzubinden.
Eine überprüfbare Praxis in Vevey
In Vevey kann eine Übung im SHR-Programm «Communication» sowohl am Hauptsitz eines globalen Lebensmittelkonzerns als auch in einem KMU der Riviera an einer realen Meinungsverschiedenheit ansetzen, etwa einer Verfahrensänderung zwischen Einkauf und Qualitätssicherung. Bevor die Beteiligten ihre Präferenz verteidigen, halten beide Seiten die Kette «vorgeschlagene Handlung — Zwischenschritte — erwartete Wirkung» schriftlich fest und kennzeichnen, welche Verknüpfungen belegt und welche noch hypothetisch sind. Für jede hypothetische Verknüpfung werden eine verantwortliche Person und eine vorgesehene Prüfung festgehalten; an der nächsten Sitzung wird der Anteil dieser Verknüpfungen berechnet, die anhand eines einsehbaren Belegs tatsächlich geprüft wurden. Diese Messung belegt keine Konfliktlösung, zeigt aber, ob das Gespräch aus Behauptungen überprüfbare Fragen gemacht hat. Weiterführend: entdecken Sie die Kommunikation-Weiterbildung in Vevey im Kanton Waadt, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Kommunikation in Vevey



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