Präsentieren in Genf: Hört das Gremium, was es noch nicht weiss?

In Genfer Gremien aus Privatbanken, internationalen Organisationen, der Luxusuhrenindustrie und dem Rohstoffhandel treffen Fachpersonen mit unterschiedlichen Informationen aufeinander. Die konkrete Führungsfrage lautet: Wie lässt sich eine Präsentation so gestalten, dass Fakten, über die nur eine Person verfügt, tatsächlich in die Entscheidungsprüfung eingehen?
Was die Forschung belegt
Garold Stasser und William Titus (1985, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchten Gruppenentscheidungen, bei denen einige Informationen allen bekannt und andere auf einzelne Teilnehmende verteilt waren. In ihren Experimenten begünstigte die Diskussion gemeinsam bekannte Informationen zulasten nicht geteilter Hinweise, die eine bessere Wahl ermöglicht hätten. Die Wissensträger zusammenzubringen garantiert somit nicht, dass die Gruppe deren Informationen zusammenführt.
Gegenseitige Anerkennung begünstigt Bekanntes
Gwen M. Wittenbaum, Andrea P. Hubbell und Cynthia Zuckerman (1999, Journal of Personality and Social Psychology) zeigen, dass der Austausch gemeinsam bekannter Informationen positive Einschätzungen der eigenen Kompetenz und der Kompetenz anderer fördern kann. Eine Information, die mehrere Teilnehmende bestätigen können, erhält dadurch unmittelbar soziale Bestätigung. Für die präsentierende Person können Zustimmungssignale deshalb irreführend sein: Sie können auf dem Wiedererkennen einer vertrauten Tatsache beruhen statt auf einem entscheidenden neuen Hinweis.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass eine nützliche Präsentation grundsätzlich neue Informationen bevorzugen sollte. Das belegen diese Studien nicht: Eine Information, die nur einer Person bekannt ist, kann nebensächlich, unsicher oder falsch sein. Es geht nicht um Neuigkeit als Selbstzweck, sondern darum, relevante, noch nicht geteilte Hinweise ausdrücklich zur Prüfung zuzulassen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten nicht versprechen
Diese Forschungsarbeiten untersuchen experimentelle Diskussions- und Entscheidungsaufgaben, nicht die Wirksamkeit eines betrieblichen Präsentationstrainings. Sie belegen nicht, dass eine bestimmte Präsentationstechnik Entscheidungen in Genfer Branchen verbessert. Auch Vertraulichkeit, Hierarchie und die Überprüfbarkeit einer Aussage begrenzen den Informationsaustausch: Fehlende Informationen in einer Diskussion sind nicht immer auf mangelhafte Moderation zurückzuführen.
Eine überprüfbare Praxis in Genf
Im SHR-Programm « Public Speaking & impact » lässt sich folgende Übung erproben: Vor einer simulierten Gremiumssitzung hält jede Person separat eine relevante Tatsache fest, über die ihrer Einschätzung nach nur sie verfügt; anschliessend prüft die Moderation Überschneidungen und die Zulässigkeit der Weitergabe. Die präsentierende Person stellt ihre Analyse vor und eröffnet danach eine Runde zu bislang nicht erwähnten Informationen, anhand eines anonymisierten Falls zu einer Anlageentscheidung im Private Banking, zur Ressourcenverteilung in einer internationalen Organisation, zur Lancierung einer Uhr oder zu einem Risiko im Rohstoffhandel. Gemessen wird der Anteil der zulässigen, anfangs nur einer Person bekannten Fakten, die vor der Entscheidung ausdrücklich geprüft werden, anhand der ursprünglichen Notizen und eines Diskussionsprotokolls. Ein Vergleich mit einer Simulation ohne diese zusätzliche Runde, bei wechselnder Reihenfolge und wechselnden Fällen zwischen den Gruppen, prüft den Informationsfluss, ohne ihn mit der Qualität der abschliessenden Entscheidung gleichzusetzen. Weiterführend: entdecken Sie die Public Speaking & Wirkung-Weiterbildung in Genf im Kanton Genf, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Public Speaking & Wirkung in Genf



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