Priorisieren: Reicht kollektive Einigkeit aus, um eine Rangfolge zu bestätigen?

Aufgaben gemeinsam zu ordnen, erscheint als vernünftiger Weg, begrenzte Zeit zu verteilen. Die konkrete Führungsfrage lautet jedoch: Sollte man individuelle Informationen und Rangfolgen erfassen, bevor man eine Einigung über die Prioritäten anstrebt?
Was die Literatur belegt
Garold Stasser und William Titus (1985, Journal of Personality and Social Psychology) zeigten in einem Experiment zu Gruppenentscheidungen, dass die Diskussion bereits gemeinsam bekannte Informationen gegenüber solchen begünstigen konnte, über die nur ein Mitglied verfügte. Menschen an einen Tisch zu bringen, garantiert somit noch nicht, dass ihr Wissen tatsächlich zusammengeführt wird. Für die Priorisierung ergibt sich daraus ein Risiko: Aufgaben werden anhand dessen geordnet, was alle wissen, statt anhand all dessen, was relevant ist.
Wenn Annäherung den Fehler nicht korrigiert
Jan Lorenz, Heiko Rauhut, Frank Schweitzer und Dirk Helbing (2011, Proceedings of the National Academy of Sciences) untersuchten sozialen Einfluss bei quantitativen Schätzaufgaben. Der Zugang zu den Schätzungen anderer konnte die Vielfalt der Antworten verringern, ohne ihre Genauigkeit zu verbessern, während das Vertrauen der Teilnehmenden in ihre Einschätzungen zunahm. Dieser Mechanismus beweist nicht, dass eine gemeinsame Rangfolge schlecht ausfällt; er zeigt, weshalb Einigkeit allein ihre Qualität nicht belegt.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, die Diskussion durch einen Durchschnitt der individuellen Rangfolgen zu ersetzen. Damit würde man jedoch unabhängige Einschätzungen mit sachgerechten Entscheidungen verwechseln: Eine gesetzliche Verpflichtung, ein Gesundheitsrisiko oder eine technische Abhängigkeit lässt sich nicht auf eine Abstimmung reduzieren. Entscheidend ist, unterschiedliche Informationen vor dem Austausch zu sichern und anschliessend die Gründe für die gewählte Reihenfolge offenzulegen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht belegen
Diese Experimente betreffen klar umrissene Entscheidungen und Schätzungen, nicht die tägliche Steuerung eines Aufgabenportfolios in Bern. Sie belegen weder eine garantierte Zeitersparnis noch eine allgemeine Überlegenheit vorab erstellter individueller Rangfolgen. In der Praxis bleibt es dennoch unzureichend, die Zahl der zustimmenden Personen zu erfassen: Diese Kennzahl zeigt nicht, welche Informationen geprüft oder verworfen wurden.
Eine überprüfbare Praxis in Bern
Im SHR-Programm « Gestion du temps & priorisation » bietet sich für Bern eine Übung an, bei der die Teilnehmenden unabhängig voneinander eine Rangfolge und eine Information vorbereiten, die diese verändern könnte: eine regulatorische Frist in der Bundesverwaltung, ein Risiko im öffentlichen Gesundheitswesen, eine Netzabhängigkeit in der Telekommunikation oder eine Toleranzanforderung in der Präzisionsindustrie. Vor der gemeinsamen Entscheidung werden diese Beiträge gesichert; jede eigenständige Information erhält anschliessend einen schriftlichen Status: berücksichtigt, begründet verworfen oder noch zu prüfen. Über mehrere Priorisierungsentscheidungen hinweg werden der Anteil der tatsächlich geprüften Informationen sowie spätere Umpriorisierungen aufgrund verfügbarer, aber übergangener Informationen erfasst. Damit wird die Qualität der Wissenszusammenführung überprüft, ohne übereinstimmende Rangfolgen als Beweis für gutes Zeitmanagement zu behandeln. Weiterführend: entdecken Sie die Zeitmanagement & Priorisierung-Weiterbildung in Bern im Kanton Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Zeitmanagement & Priorisierung in Bern



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