Arbeitet ein Team schlechter, wenn es mehr Fehler meldet?

Im SHR-Programm «Teamperformance» wirft der Umgang mit Fehlern eine präzise Führungsfrage auf: Wie lässt sich eine Verschlechterung der Arbeit von einer Verbesserung des Meldeverhaltens unterscheiden? Wer beides verwechselt, bestraft möglicherweise Transparenz, statt Mängel zu beheben.
Was die Forschung belegt
Amy Edmondson (1996, The Journal of Applied Behavioral Science) untersucht das Erkennen und Korrigieren von Fehlern in Spitalteams. Ihre Arbeit zeigt, weshalb erfasste Fehler kein unverzerrtes Mass für die Arbeitsqualität sind: Ihre Sichtbarkeit hängt auch vom sozialen Kontext ab, in dem sie erkannt und besprochen werden. Wer Teams allein anhand ihrer Meldungen vergleicht, vermischt deshalb das Auftreten von Fehlern mit deren Entdeckung.
Der Mechanismus: Fehler bewältigen, nicht nur verhindern
Cathy van Dyck, Michael Frese, Markus Baer und Sabine Sonnentag (2005, Journal of Applied Psychology) beobachten in zwei Organisationsstudien einen positiven Zusammenhang zwischen Fehlermanagementkultur und Leistung. Zu dieser Kultur gehören insbesondere die Kommunikation über Fehler, deren rasche Entdeckung und Korrektur sowie das Lernen daraus. Der vorgeschlagene Mechanismus besteht nicht darin, weniger sorgfältige Arbeit hinzunehmen, sondern die Folgen eines Fehlers zu begrenzen und seine Wiederholung zu verhindern.

Der voreilige Schluss
Es wäre verlockend, daraus abzuleiten, dass ein Team mit mehr Fehlermeldungen zwangsläufig besser funktioniert. Damit würde lediglich ein Fehlschluss durch einen anderen ersetzt: Ein Anstieg kann besseres Melden, komplexere Aufgaben oder eine tatsächliche Verschlechterung widerspiegeln. Die Zahl der Meldungen, die Schwere der Folgen und das wiederholte Auftreten von Fehlern müssen getrennt betrachtet werden. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Eine Untersuchung in Spitälern und Zusammenhänge auf Organisationsebene belegen nicht, dass ein Meldesystem allein die Leistung jedes Teams verbessert. Ergebnisse auf Organisationsebene lassen sich nicht automatisch auf einzelne Teams übertragen; zudem können Vertraulichkeit und Compliance-Anforderungen den Austausch über Fälle einschränken. Die gängige Praxis erzeugt eine weitere Verzerrung, wenn Führungskräfte Transparenz verlangen, Mitarbeitende aber daran messen, dass keine Fehler gemeldet werden.
Eine überprüfbare Praxis in Lugano
Im Rahmen des Programms «Teamperformance» kann SHR einem italienischsprachigen Team in Lugano einen vierwöchigen Test vorschlagen: eine klar definierte Fehlerkategorie verfolgen und prüfen, ob Korrekturen dauerhaft greifen. Je nach Tätigkeit — Bankgeschäft, Mode, Handel oder familiengeführtes KMU — kommen wegen fehlender Angaben retournierte Dossiers, Bestellabweichungen oder zu korrigierende Versanddokumente infrage, ohne vertrauliche Daten weiterzugeben. Die Übersicht unterscheidet Meldungen, die Zahl bearbeiteter Vorgänge und den Anteil der Vorgänge, bei denen derselbe Fehler nach einer angekündigten Korrektur erneut auftritt; Grundlage sind eine unveränderte Definition und Belegprüfungen. Mehr Meldungen bei gleichzeitig weniger Wiederholungen wären mit einem verbesserten Fehlermanagement vereinbar, würden allein aber keinen kausalen Wirksamkeitsnachweis für das Programm liefern. Weiterführend: entdecken Sie die Team-Performance-Weiterbildung in Lugano im Kanton Tessin, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Team-Performance in Lugano



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