Leadership für Frauen im Kanton Freiburg: Wie wird Beratung über das eigene sprachliche Netzwerk hinaus zugänglich?

Im Kanton Freiburg arbeiten die Lebensmittelwirtschaft, die Industrie und das Hochschulumfeld häufig über die Saane hinweg zusammen; der Wechsel zwischen Französisch und Deutsch gehört zum Führungsalltag. Für das SHR-Programm «Leadership für Frauen» stellt sich deshalb eine konkrete Frage: Wie können Teilnehmerinnen ausserhalb ihres gewohnten sprachlichen Umfelds hilfreichen Rat erhalten?
Was die Forschung belegt
Herminia Ibarra (1992, Administrative Science Quarterly) untersuchte die Beziehungsnetzwerke von Frauen und Männern in einer Werbeagentur und unterschied dabei insbesondere instrumentelle von expressiven Beziehungen. Ihre Analyse zeigt, dass sich die Zusammensetzung von Netzwerken und der Ressourcenzugang nicht unabhängig vom Geschlecht und von der Positionsstruktur einer Organisation verstehen lassen. Für die Führungspraxis reicht es deshalb nicht, Kontakte zu zählen: Zu prüfen ist auch, welche Ressourcen dadurch tatsächlich zugänglich werden.
Der Mechanismus: Beziehungen zwischen ähnlichen Personen
Miller McPherson, Lynn Smith-Lovin und James M. Cook (2001, Annual Review of Sociology) fassen die Forschung zur Homophilie zusammen, also zur Tendenz, dass soziale Beziehungen zwischen ähnlichen Personen entstehen. Sie betonen die Bedeutung von Begegnungsmöglichkeiten und institutionellen Rahmenbedingungen, nicht nur von individuellen Vorlieben. Für Freiburg legt dies nahe, zu prüfen, ob die gewohnten Beratungswege Sprachgrenzen überschreiten, ohne Sprache von vornherein als Hindernis zu betrachten.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, Frauen müssten lediglich zu mehr zweisprachigen Netzwerktreffen ermutigt werden. Damit würde man den Teilnehmerinnen die Verantwortung für einen Zugang übertragen, der auch von der Verfügbarkeit von Fachpersonen, von Kontaktvermittlungen und von Kooperationsgewohnheiten abhängt. Das Ziel ist weder ein sprachlich perfekt ausgewogenes Netzwerk noch mehr Geselligkeit, sondern der Zugang zum passenden Fachwissen, wenn eine Führungsaufgabe es erfordert. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht belegen
Ibarras Untersuchung bezieht sich auf eine einzige Organisation und misst nicht die Wirkung eines Weiterbildungsprogramms. Auch der Forschungsüberblick zur Homophilie belegt keine spezifische Benachteiligung von Frauen in den zweisprachigen Netzwerken Freiburgs. Diese Arbeiten begründen eine lokale Bestandsaufnahme des Beratungszugangs, aber weder eine Verallgemeinerung auf alle Teilnehmerinnen noch ein Versprechen beruflichen Aufstiegs.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Ein hypothetisches Beispiel: In Freiburg muss eine Führungskraft eines Lebensmittelunternehmens einen Versuch mit einem deutschsprachigen Industriezulieferer und einem Hochschulpartner vorbereiten. Im Programm «Leadership für Frauen» könnte SHR vorschlagen, die relevanten Ansprechpersonen zu erfassen und anschliessend einen Kontakt ausserhalb des gewohnten sprachlichen Umfelds zu vermitteln. Während eines Monats würde jede Anfrage dokumentiert: mit dem gesuchten Fachwissen, einer allfälligen Vermittlung und der Angabe, ob die erhaltene Antwort einen konkreten nächsten Schritt ermöglicht hat. Ein Vergleich des Anteils entsprechend beantworteter Anfragen zu Beginn und am Ende der Übung würde einen Indikator für den Beratungszugang liefern, für sich genommen aber keine kausale Wirkung der Weiterbildung belegen. Weiterführend: entdecken Sie die Weibliche Führung-Weiterbildung in Freiburg im Kanton Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Weibliche Führung in Freiburg



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