IA on the job: Eine verfügbare Antwort ersetzt keine auffindbare Expertise

Ein KI-Assistent kann zur ersten Anlaufstelle eines Teams werden, bevor dieses die Rolle seiner Fachpersonen geklärt hat. Die Führungsfrage ist präzise: Wie lässt sich Wissen leichter zugänglich machen, ohne die Fähigkeit zu verlieren, bei kontextabhängigen Fragen die kompetente Person zu finden?
Was die Literatur belegt
Kyle Lewis (2003, Journal of Applied Psychology) hat ein Messinstrument für transaktive Gedächtnissysteme in Arbeitsteams entwickelt und validiert. Dieses Konzept beschreibt eine kollektive Organisation des Wissens: Die Mitglieder verfügen über unterschiedliche Fachkenntnisse, erkennen deren Glaubwürdigkeit an und koordinieren ihren Einsatz. Gemeinsame Arbeit beruht somit nicht nur auf verfügbaren Informationen, sondern auch auf dem Wissen darüber, wie Fachkenntnisse auf Personen verteilt sind.
Der Mechanismus: auch lernen, wer was weiss
Diane Wei Liang, Richard Moreland und Linda Argote (1995, Personality and Social Psychology Bulletin) verglichen gemeinsames mit individuellem Training vor einer Montageaufgabe in der Gruppe. In diesem Experiment erzielten Gruppen, deren Mitglieder gemeinsam geschult worden waren, bessere Leistungen; die Ergebnisse stützten die vermittelnde Rolle des transaktiven Gedächtnisses. Gemeinsames Lernen kann damit eine Orientierung über vorhandene Kompetenzen schaffen, die eine reine Weitergabe von Anleitungen nicht gewährleistet.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass ein KI-Assistent dieses gegenseitige Wissen zwangsläufig schwächt. Die Studien untersuchen jedoch keine generative KI und erlauben diesen Schluss nicht. Sie legen vielmehr eine überprüfbare Unterscheidung nahe: Ein Werkzeug kann eine Antwort liefern, aber auch auf eine Quelle und eine Person verweisen, die deren Relevanz im lokalen Kontext beurteilen kann. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Die Grenzen der Daten und der gängigen Praxis
Ein Montageexperiment und die Validierung eines Messinstruments für Teams belegen nicht, welche Wirkung ein KI-Assistent in einer Bank oder einem Modeunternehmen hat. Auch beweist ein Verzeichnis von Fachpersonen weder, dass Mitarbeitende es nutzen können, noch, dass die genannten Personen verfügbar sind. Wer lediglich die Geschwindigkeit des Zugangs zu einer Antwort bewertet, lässt somit die Fähigkeit der Organisation zum Umgang mit Ausnahmefällen ausser Acht.
Eine überprüfbare Praxis in Lugano
Für einen SHR-Workshop «IA on the job» in Lugano schlagen wir fiktive Fälle auf Italienisch vor: einen Sonderfall bei Bankunterlagen, eine Materialspezifikation in der Modebranche, eine Lieferbedingung im Handel oder die Delegation einer Entscheidung in einem italienischsprachigen Familien-KMU. Für jeden Fall, der internes Fachwissen erfordert, soll die teilnehmende Person mit zugelassenen Werkzeugen eine relevante Quelle und eine kompetente Ansprechperson finden; anschliessend bestätigt die prozessverantwortliche Person diese Zuordnung. Gemessen wird der Anteil der Fälle, bei denen sowohl die Quelle als auch die Ansprechperson bestätigt werden, und zwar vor und nach dem Ergänzen ausdrücklicher Verweise in den mit KI verwendeten Unterlagen. Diese Prüfung erfasst nicht den gesamten Nutzen des Werkzeugs; sie zeigt, ob der Zugang zu Antworten mit einem wirksamen Zugang zu Fachwissen einhergeht. Weiterführend: entdecken Sie die KI im Arbeitsalltag-Weiterbildung in Lugano, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: KI im Arbeitsalltag in Lugano



- ki im arbeitsalltag
- Lugano
- forschung
- Weiterbildung lugano
