Konfliktmanagement: Stellen Sanktionen die Kooperation wieder her?

Ein anhaltender Konflikt um nicht eingehaltene Zusagen stellt Führungskräfte oft vor eine Alternative: an die Regel erinnern oder den Verstoss sanktionieren. Die nützlichere Frage ist präziser: Unter welchen Bedingungen fördert eine Sanktion die Kooperation, statt den Verstoss zu einer kostenpflichtigen Option zu machen?
Was die Forschung belegt
Uri Gneezy und Aldo Rustichini (2000, The Journal of Legal Studies) untersuchten die Einführung einer Geldbusse für Eltern, die ihre Kinder in Betreuungseinrichtungen zu spät abholten. Nach deren Einführung nahmen die Verspätungen zu; nach ihrer Abschaffung kehrten sie nicht auf das ursprüngliche Niveau zurück. Dieser Befund widerspricht der Annahme, dass zusätzliche Kosten einen Regelverstoss zwangsläufig weniger attraktiv machen.
Wann Sanktionen die Kooperation unterstützen
Ernst Fehr und Simon Gächter (2002, Nature) zeigen in einem Experiment zu Beiträgen an ein öffentliches Gut, dass die Möglichkeit, andere Teilnehmende zu bestrafen, die Kooperation unterstützen kann, selbst wenn die Bestrafung für die strafende Person mit Kosten verbunden ist. Ihr Versuchsaufbau betrifft Sanktionen zwischen Teilnehmenden, nicht ein Disziplinarverfahren durch Vorgesetzte. Er belegt dennoch, dass eine negative Konsequenz für mangelnde Kooperation nicht immer kontraproduktiv wirkt.

Der voreilige Schluss
Es wäre deshalb überzogen, daraus abzuleiten, dass Sanktionen die Kooperation zerstören oder sie grundsätzlich wiederherstellen. Eine Interpretation des Befunds aus den Betreuungseinrichtungen lautet, dass die Geldbusse eine Verspätung als gekaufte Dienstleistung statt als verletzte Verpflichtung erscheinen lassen kann. Für Führungskräfte ist entscheidend, ob eine Massnahme eine Verpflichtung bekräftigt oder als Preis verstanden wird, zu dem man sich davon befreien kann. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten nicht entscheiden können
Weder verspätete Eltern noch ein experimentelles Spiel bilden einen betrieblichen Konflikt mit dauerhaften Beziehungen, operativen Zwängen und arbeitsrechtlichen Vorgaben ab. Die Studien erlauben deshalb weder die Auswahl einer Personalsanktion noch eine direkte Prognose ihrer Wirkung in Sion. Sie legen vielmehr nahe, das Verständnis einer Massnahme zu überprüfen, ohne die geltenden Verfahren zu ersetzen, wenn Sicherheit, Belästigung oder eine gesetzliche Verpflichtung betroffen sind.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Im SHR-Programm «Gestion du conflit» besteht eine mögliche Übung darin, mit einem Team in Sion eine wiederkehrende, nicht sicherheitskritische Zusage auszuwählen: eine administrative Übergabe in der Wasserkraft oder im Gesundheitswesen, die Abstimmung von Verfügbarkeiten im Weinbau oder im alpinen Tourismus. Vor und nach der Klärung der Regel und ihrer Konsequenzen wird über zwei gleich lange Zeiträume der Anteil eingehaltener Zusagen an allen fälligen Zusagen erfasst; zugleich wird die Arbeitsbelastung dokumentiert. Die Beteiligten werden getrennt gefragt, ob die Konsequenz bedeutet: «Die Zusage bleibt verbindlich» oder «Der Verstoss wird gegen einen Preis akzeptabel». Diese Erhebung belegt keine Kausalität, ermöglicht aber die Prüfung, ob die erwartete Verbesserung eintritt und die Regel ihre beabsichtigte Bedeutung behält. Weiterführend: entdecken Sie die Konfliktmanagement-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Konfliktmanagement in Sitten



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