Konfliktmanagement: ein schwieriges Gespräch bei Müdigkeit verschieben?

In der Präzisionsindustrie muss eine Meinungsverschiedenheit mitunter gerade dann behandelt werden, wenn die Beteiligten eine anspruchsvolle Arbeitsphase abschliessen. Die konkrete Führungsfrage lautet: Soll ein Konfliktklärungsgespräch stattfinden, wenn Müdigkeit seine Qualität beeinträchtigen könnte?
Was die Literatur belegt
Amie M. Gordon und Serena Chen (2014, Social Psychological and Personality Science) untersuchten den Zusammenhang zwischen Schlaf und Konflikten in Paarbeziehungen. Ihre Ergebnisse bringen schlechteren Schlaf mit grösseren Schwierigkeiten in Konfliktgesprächen in Verbindung, insbesondere hinsichtlich der emotionalen Balance des Austauschs und des Verständnisses für die Gefühle des Gegenübers. Diese Befunde machen einen Einfluss von Müdigkeit auf die Gesprächsqualität plausibel, belegen ihn aber nicht für den Arbeitsplatz.
Müdigkeit betrifft mehr als die Kooperationsbereitschaft
June J. Pilcher und Allen I. Huffcutt (1996, Sleep) fassten Forschung zu den Auswirkungen von Schlafentzug auf die Leistungsfähigkeit zusammen. Ihre Metaanalyse zeigt nachteilige Effekte auf die Stimmung sowie auf kognitive und motorische Leistungen. Für das Konfliktmanagement ist deshalb eine verringerte Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und zur Regulation des Austauschs als Mechanismus zu berücksichtigen, nicht bloss fehlender guter Wille.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass ein schwieriges Gespräch immer warten sollte, bis alle ausgeruht sind. Die Studien erlauben jedoch weder die Festlegung einer Müdigkeitsschwelle noch eine Empfehlung zum systematischen Aufschieben. Geht es um die Konformität eines Bauteils oder die Sicherheit eines Arbeitsvorgangs, ist zwischen der unmittelbar erforderlichen Absicherung der Arbeit und der späteren Klärung des Konflikts zu unterscheiden. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Paarbeziehungen bilden weder betriebliche Hierarchien noch Produktionszwänge ab, und eine Metaanalyse zur Leistungsfähigkeit misst nicht unmittelbar die Konfliktlösung am Arbeitsplatz. Zu wenig Schlaf ist zudem nicht mit jeder Form beruflicher Ermüdung gleichzusetzen. Schliesslich kann die Zuschreibung eines Konflikts zur Müdigkeit eines Mitarbeitenden dessen Einwand entwerten: Führungskräfte sollten die Gesprächsbedingungen prüfen, ohne die Person zu diagnostizieren.
Eine überprüfbare Praxis in Neuchâtel
Im Rahmen des Programms « Gestion du conflit » von SHR — Swiss Human Resources könnte ein Neuenburger Team aus der Mikrotechnik, Uhrenindustrie oder Präzisionsmikroelektronik folgende Regel erproben: dringende technische Entscheidungen von Klärungsgesprächen trennen, die ausserhalb des Schichtendes angesetzt werden können. Für eine vorab festgelegte Pilotphase werden bei jedem Gespräch der Zeitpunkt, die Dringlichkeit, eine schriftliche Vereinbarung zum nächsten Handlungsschritt und dessen Umsetzung bis zum vereinbarten Termin dokumentiert. Die zentrale Kennzahl wäre der Anteil der Gespräche, auf die ein tatsächlich umgesetzter vereinbarter Handlungsschritt folgt, getrennt nach Gesprächen am Schichtende und den übrigen Gesprächen. Dieser Vergleich würde keinen kausalen Müdigkeitseffekt nachweisen, aber eine überprüfbare Grundlage für die Gestaltung der Gespräche schaffen, ohne individuelle Schlafdaten zu erheben. Weiterführend: entdecken Sie die Konfliktmanagement-Weiterbildung in Neuenburg im Kanton Neuenburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Konfliktmanagement in Neuenburg



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