Forschung 2024-07-16 Psychosoziale Risiken Genf

Psychosoziale Risiken im Kanton Genf: Wer entscheidet bei widersprüchlichen Anweisungen?

Psychosoziale Risiken im Kanton Genf: Wer entscheidet bei widersprüchlichen Anweisungen? — SHR, Genf
Psychosoziale Risiken im Kanton Genf: Wer entscheidet bei widersprüchlichen Anweisungen? — SHR, Genf

Genf vereint auf engem Raum internationale Organisationen, Privatbanken, Rohstoffhandelshäuser und Uhrenmarken mit stark multikulturellen Teams, in denen Französisch und Englisch nebeneinander verwendet werden. Für das SHR-Programm «Psychosoziale Risiken» ergibt sich daraus eine präzise Führungsfrage: Wissen Mitarbeitende bei zwei unvereinbaren Aufträgen, wer über deren Vorrang entscheiden darf?

Was die Forschung belegt

John R. Rizzo, Robert J. House und Sidney I. Lirtzman (1970, Administrative Science Quarterly) unterscheiden und messen zwei Dimensionen: Rollenunklarheit und Rollenkonflikt. Erstere betrifft Unsicherheit über Erwartungen, Verantwortlichkeiten oder Befugnisse; Letzterer betrifft Erwartungen, die sich nur schwer vereinbaren lassen. Diese Unterscheidung verhindert, dass jede Koordinationsschwierigkeit als blosser Informationsmangel behandelt wird.

Wenn klare Erwartungen nicht ausreichen

Susan E. Jackson und Randall S. Schuler (1985, Organizational Behavior and Human Decision Processes) fassen die Forschung zu diesen beiden Dimensionen und ihren Zusammenhängen mit Arbeitsmerkmalen, affektiven Reaktionen und Verhalten zusammen. Ihre Metaanalyse dokumentiert unter anderem Zusammenhänge mit geringerer Arbeitszufriedenheit und stärkerer Anspannung. Zu prüfen ist deshalb auch ein organisatorischer Mechanismus: Eine Person kann zwei Aufträge vollständig verstehen, ohne die Befugnis zu haben, sie miteinander vereinbar zu machen.

Psychosoziale Risiken im Kanton Genf: Wer entscheidet bei widersprüchlichen Anweisungen? — SHR, Genf — Genève
Psychosoziale Risiken im Kanton Genf: Wer entscheidet bei widersprüchlichen Anweisungen? — SHR, Genf — Genève

Der vorschnelle Schluss

Daraus könnte man ableiten, dass eine bessere Stellenbeschreibung oder eine systematische Übersetzung zur Prävention ausreicht. Ein hypothetisches Beispiel aus einer Genfer Privatbank wäre ein dringender Kundenauftrag, der mit einer angekündigten Prüffrist unvereinbar ist: Beide Anweisungen neu zu formulieren klärt ihre Priorität nicht. Zweisprachigkeit ist hier keine nachgewiesene Risikoquelle; sie gibt Anlass zu prüfen, ob beide Sprachen dieselbe Entscheidung und dieselbe Entscheidungsbefugnis vermitteln. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)

Die Grenzen der Daten und der Verfahren

Diese Arbeiten sind weder kantonsspezifische Studien zu Genf noch ein Nachweis dafür, dass Rollenklärung allein gesundheitlichen Beschwerden vorbeugt. Ein grosser Teil der zusammengefassten Daten beruht auf Fragebögen und Zusammenhängen, die sich nur eingeschränkt kausal interpretieren lassen. In der Praxis kann ein Organigramm eine verantwortliche Person benennen, ohne sicherzustellen, dass sie verfügbar und entscheidungsbefugt ist und ihre Entscheidungen tatsächlich befolgt werden.

Eine überprüfbare Praxis in Genf

Im Rahmen des Programms «Psychosoziale Risiken» kann ein Genfer Team während zweier Wochen ein anonymisiertes Protokoll unvereinbarer Anweisungen erproben, ohne Kundendaten oder sensible Fallinformationen zu erfassen. Bei hypothetischen Situationen — Prüfanforderungen und geschäftliche Dringlichkeit in einer Privatbank, Aufträge von Zentrale und Programmleitung in einer internationalen Organisation, Qualität und Lieferung in der Luxusuhrenindustrie, Compliance und Ausführung im Rohstoffhandel — würde jeder Eintrag die Aufträge, die entscheidungsbefugte Person und den in den erforderlichen Arbeitssprachen mitgeteilten Entscheid festhalten. Gemessen würde der Anteil der protokollierten Situationen, für die vor Ablauf der jeweiligen Frist ein ausdrücklicher Entscheid an die Beteiligten kommuniziert wurde; ungelöste Fälle würden als organisatorische Probleme untersucht, nicht als individuelle mangelnde Stressresistenz. Weiterführend: entdecken Sie die Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf im Kanton Genf, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.

In Bildern: Psychosoziale Risiken in Genf

Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf — in der Praxis
Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf — in der Praxis
Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf — Praxis-Workshop
Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf — Praxis-Workshop
Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf — vor Ort
Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf — vor Ort