Ausbildung für Ausbildende im Kanton Waadt: Wann ist Abrufen sinnvoller als erneutes Erklären?

Der Kanton Waadt vereint Hochschulen wie EPFL und UNIL, Medtech, internationalen Sport, Lebensmittelkonzerne an der Riviera und KMU sowie wachsende Scale-ups am Genfersee und etablierte Organisationen im Wandel. Für Ausbildungsverantwortliche stellt sich damit eine konkrete Frage: Wann sollte eine Erklärung unterbrochen werden, damit die Teilnehmenden das gerade Gelernte selbst rekonstruieren?
Was die Forschung belegt
Henry L. Roediger III und Jeffrey D. Karpicke (2006, Psychological Science) verglichen das wiederholte Lernen von Texten mit Lernsequenzen, die einen Abruf aus dem Gedächtnis einschlossen. In ihren Experimenten begünstigte wiederholtes Lernen die sehr kurzfristige Leistung, während das Abrufen die Behaltensleistung bei späteren Tests förderte. Für Ausbildende ist diese Unterscheidung wichtig: Eine unmittelbare Antwort zu erleichtern und Wissen dauerhaft verfügbar zu machen, ist nicht unbedingt derselbe Vorgang.
Rekonstruieren statt wiedererkennen
Jeffrey D. Karpicke und Janell R. Blunt (2011, Science) verglichen Abrufübungen mit elaborativem Lernen anhand von Begriffsnetzen bei wissenschaftlichen Inhalten. Die Abrufübungen führten bei späteren Tests zu besseren Ergebnissen, auch bei Fragen zum Verständnis und zum Schlussfolgern. Dieser Befund legt nahe, dass das Rekonstruieren von Wissen ohne Unterlagen zum Lernen beitragen kann, statt lediglich das Behaltene zu messen.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, Erklärungen durch Tests zu ersetzen oder auf Begriffsnetze zu verzichten. Die Studien belegen jedoch einen Vorteil unter bestimmten Bedingungen, keine allgemeingültige Rangordnung didaktischer Werkzeuge. In einer hypothetischen Schulung zu einem Medtech-Verfahren könnte das Abrufen der einzelnen Schritte beispielsweise eine Demonstration ergänzen; es würde nicht belegen, dass die teilnehmende Person den Handgriff sicher ausführen kann. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Die Experimente untersuchen klar begrenzte Lernaufgaben, hauptsächlich mit Studierenden, und nicht die gesamte berufliche Weiterbildung im Kanton Waadt. Sie bestimmen weder eine optimale Abrufhäufigkeit für jeden Beruf noch den Anteil einer Schulung, der dafür vorgesehen werden sollte. Eine Übung, bei der die Antworten sichtbar bleiben, prüft vor allem das Wiedererkennen: Sie als Abrufen ohne Unterlagen zu bezeichnen, würde genau die untersuchte Unterscheidung verwischen.
Eine überprüfbare Praxis in Lausanne
In einem Lausanner Workshop des Programms «Ausbildung für Ausbildende» könnte eine mögliche Aufgabe darin bestehen, eine kurze Lernsequenz zu einem fiktiven Einführungsverfahren zu entwickeln, das als Fallbeispiel für ein Scale-up, eine Hochschule oder eine internationale Sportorganisation dient. Nach einer gemeinsamen Erklärung werden die Teilnehmenden zufällig entweder dem erneuten Lesen oder dem schriftlichen Abrufen ohne Unterlagen zugeteilt, jeweils für dieselbe Dauer; anschliessend erhalten alle dieselbe Korrektur. Eine Woche später geben alle die Schritte und deren Begründung ohne Unterlagen wieder, wobei ein vorab festgelegtes Bewertungsraster verwendet und der Anteil korrekt abgerufener Elemente zwischen den Gruppen verglichen wird. Diese lokale Überprüfung würde die Behaltensleistung in diesem Workshop dokumentieren, aber für sich allein weder berufliche Kompetenz noch einen kantonsspezifischen Effekt nachweisen. Weiterführend: entdecken Sie die Train the Trainer-Weiterbildung in Lausanne im Kanton Waadt, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Train the Trainer in Lausanne



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