Feedback: die eigene Einschätzung prüfen statt bestätigen

Eine Führungskraft, die überzeugt ist, dass ein Mitarbeiter Probleme zu spät erkennt, kann zahlreiche Vorfälle finden, die zu dieser Einschätzung passen. Die anspruchsvollere Führungsfrage lautet: Wie lässt sich Feedback vorbereiten, ohne nur jene Fakten auszuwählen, die eine bestehende Überzeugung bestätigen?
Was die Forschung belegt
Mark Snyder und William B. Swann (1978, Journal of Personality and Social Psychology) zeigten experimentell, dass Personen beim Prüfen einer Hypothese über andere bevorzugt Fragen wählen, die dazu passende Antworten hervorrufen können. Das Gespräch kann somit dazu beitragen, jene Anhaltspunkte erst zu erzeugen, die das ursprüngliche Urteil scheinbar bestätigen. Für die Feedbackvorbereitung legt dies nahe, nicht nur die gesammelten Fakten zu betrachten, sondern auch die Fragen, mit denen sie erhoben wurden.
Gleiche Belege, unterschiedliche Deutungen
Charles G. Lord, Lee Ross und Mark R. Lepper (1979, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchten die Bewertung widersprüchlicher Forschungsergebnisse zur abschreckenden Wirkung der Todesstrafe. Die Teilnehmenden bewerteten die Qualität der Ergebnisse tendenziell unterschiedlich, je nachdem, wie gut diese zu ihrer bisherigen Position passten. Für die Führungspraxis ergibt sich daraus ein möglicher Mechanismus, keine nachgewiesene Gleichsetzung: Widersprüchliche Hinweise zu sammeln reicht nicht aus, wenn alles, was die Einschätzung infrage stellt, systematisch abgewertet wird.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass Führungskräfte vor einem Gespräch auf jede Hypothese verzichten sollten. Das würde eine vorläufige Einschätzung, die eine gezielte Prüfung ermöglicht, mit einem bereits feststehenden Urteil verwechseln. Eine vorsichtige Übertragung dieser Befunde besteht vielmehr darin, vor der Auswahl der Feedbackbeispiele festzuhalten, welcher beobachtbare Sachverhalt zu einer Revision des Urteils führen würde. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten nicht nachweisen
Diese Experimente messen weder die Qualität betrieblicher Feedbackgespräche noch die Wirksamkeit einer Führungskräftebildung in Sion. Sie belegen daher nicht, dass allein die Suche nach Gegenbeispielen die Leistung verbessert. In der Praxis gilt ein nicht gefundenes Gegenbeispiel nicht als Bestätigung, wenn die Führungskraft nur einen Teil der Arbeit beobachtet hat.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Im Programm « L'art du feedback » von SHR — Swiss Human Resources wäre eine mögliche Übung, dieses Vorgehen einen Monat lang mit Teams aus Wasserkraft, Gesundheitswesen, Weinbau und alpinem Tourismus in Sion und Umgebung zu erproben. Vor jedem vorbereiteten Feedbackgespräch würde die Führungskraft die vorläufige Einschätzung, einen möglichen widersprechenden Sachverhalt und die dafür konsultierte Quelle notieren, ohne sensible Daten festzuhalten. Gemessen würde der Anteil der vorbereiteten Feedbackgespräche mit einer dokumentierten Suche nach widersprechenden Hinweisen an allen vorbereiteten Feedbackgesprächen im Beobachtungszeitraum. Dieser Indikator würde eine Vorbereitungspraxis überprüfen, nicht die Richtigkeit des Urteils oder einen Leistungsgewinn. Weiterführend: entdecken Sie die Die Kunst des Feedbacks-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Die Kunst des Feedbacks in Sitten



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