Feedback: Lässt sich lernen, die eigene Sicherheit besser einzuschätzen?

Eine Mitarbeiterin kann einen Termin mit grosser Sicherheit ankündigen und später feststellen, dass er unrealistisch war, ohne ihren Umgang mit Unsicherheit zu überdenken. Die Führungsfrage lautet deshalb präzise: Welches Feedback hilft, die geäusserte Sicherheit mit der tatsächlichen Verlässlichkeit von Prognosen in Einklang zu bringen?
Was die Literatur belegt
Sarah Lichtenstein und Baruch Fischhoff (1980, Organizational Behavior and Human Performance) untersuchten ein Kalibrierungstraining, bei dem die angegebene Sicherheit mit der Häufigkeit richtiger Antworten in Einklang gebracht werden sollte. In ihren Urteilsaufgaben verbesserte ein Training, das Rückmeldungen zu diesem Zusammenhang einschloss, die Kalibrierung. Dieses Ergebnis belegt eine Lernmöglichkeit, nicht das Versprechen, dass eine gewöhnliche Rückmeldung einer Führungskraft dieselbe Wirkung erzielt.
Sicherheit bezeichnet nicht nur ein Phänomen
Don A. Moore und Paul J. Healy (2008, Psychological Review) unterscheiden drei Formen übermässiger Sicherheit: die eigene Leistung überschätzen, sich im Vergleich zu anderen zu hoch einordnen und den eigenen Überzeugungen eine übertriebene Präzision zuschreiben. Diese Phänomene verändern sich nicht zwingend gemeinsam. Jemandem zu sagen, er sei «zu sicher», benennt daher weder das beobachtete Problem noch das, was er zu korrigieren lernen müsste.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, gutes Feedback müsse Mitarbeitende vorsichtiger machen. Das würde Kalibrierung mit Bescheidenheit verwechseln: Menschen können die Verlässlichkeit ihrer Urteile auch unterschätzen. Ziel ist nicht, Sicherheit grundsätzlich zu verringern, sondern ihre unterschiedlichen Ausprägungen aussagekräftiger zu machen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was Daten und Praxis offenlassen
Experimentelle Aufgaben haben überprüfbare Antworten; berufliche Prognosen betreffen häufig Ereignisse, deren Definition oder Termin sich verändert. Zudem reichen wenige Prognosen nicht aus, um die Kalibrierung zu beurteilen, und ein einzelnes Ergebnis macht eine Wahrscheinlichkeit noch nicht richtig oder falsch. Ohne eine Aufzeichnung der vor dem Ereignis geäusserten Sicherheit droht Feedback vor allem nachträglich zu rekonstruieren, was alle hätten wissen müssen.
Eine überprüfbare Praxis in Bern
Im SHR-Programm «L'art du feedback» könnte eine Übung darin bestehen, binäre Prognosen vor Eintritt des Ergebnisses mit einer Wahrscheinlichkeit, einem Termin und einem Prüfkriterium festzuhalten: ein rechtzeitig bearbeitetes Dossier in der Bundesverwaltung, ein erreichter Meilenstein im öffentlichen Gesundheitswesen, ein wiederhergestellter Dienst in der Telekommunikation oder ein abgenommenes Los in der Präzisionsindustrie. Gemessen würde für jeden vorab festgelegten Wahrscheinlichkeitsbereich die Differenz zwischen der durchschnittlich angegebenen Wahrscheinlichkeit und der beobachteten Eintrittshäufigkeit, ergänzt um die Anzahl der Prognosen. Der Vergleich dieser Differenzen über aufeinanderfolgende Serien vergleichbarer Fälle gäbe dem Feedback in Bern einen überprüfbaren Gegenstand, ohne jede Verbesserung automatisch der Weiterbildung zuzuschreiben. Weiterführend: entdecken Sie die Die Kunst des Feedbacks-Weiterbildung in Bern im Kanton Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Die Kunst des Feedbacks in Bern



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