Akzeptanz von Entscheidungen: Was das Verfahren verändert

Führungskräfte müssen mitunter Ressourcen verteilen, ohne alle Teams zufriedenstellen zu können. Die entscheidende Frage lautet: Erscheint die Verteilung den Betroffenen gerechter, wenn sie ihre Sicht einbringen können, auch wenn sie nicht selbst entscheiden?
Was die Forschung belegt
E. Allan Lind, Ruth Kanfer und P. Christopher Earley (1990, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchten experimentell, wie sich die Möglichkeit zur Meinungsäusserung auf Urteile zur Verfahrensgerechtigkeit auswirkt. Ihre Ergebnisse zeigen, dass diese Möglichkeit nicht nur deshalb zählt, weil sie das Ergebnis beeinflussen kann: Auch eine Äusserung nach der Entscheidung kann die wahrgenommene Gerechtigkeit verbessern. Gehört zu werden und Entscheidungsbefugnis zu haben, ist somit nicht dasselbe.
Das Verfahren als Orientierung bei Unsicherheit
Kees van den Bos, E. Allan Lind, Riël Vermunt und Henk A. M. Wilke (1997, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchten, wie Menschen ihr Ergebnis bewerten, wenn ihnen die Ergebnisse anderer nicht bekannt sind. In ihren Experimenten spielen Informationen zur Fairness des Verfahrens dann eine besonders wichtige Rolle bei der Bewertung des eigenen Ergebnisses. Das Verfahren bietet somit Orientierung, wenn sich die Behandlung verschiedener Personen nur schwer vergleichen lässt.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man schliessen, dass eine Konsultation genügt, um Akzeptanz für eine Entscheidung zu gewinnen. Diese Studien betreffen jedoch Gerechtigkeitsurteile und Ergebnisbewertungen, nicht eine Garantie für dauerhafte Zustimmung oder eine bessere Ressourcenverteilung. Ein positiv bewertetes Verfahren kann mit einer fachlich mangelhaften Entscheidung einhergehen; es ersetzt weder die Prüfung der Argumente noch die Erläuterung der Rahmenbedingungen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht versprechen können
Diese Experimente isolieren Mechanismen unter kontrollierten Bedingungen, die von manchen wiederkehrenden und stark eingeschränkten Organisationsentscheidungen weit entfernt sind. Sie erlauben es nicht, die Wirkung einer Konsultation in einer Berner Verwaltungseinheit oder einem Unternehmen zu beziffern. In der Praxis ist zudem eine echte Möglichkeit zur Mitwirkung von einer missverständlichen Einladung zu unterscheiden, die nahelegt, alles sei noch verhandelbar.
Eine überprüfbare Praxis in Bern
Im SHR-Programm zur Entscheidungsfindung könnte eine in Bern anwendbare Übung darin bestehen, eine reale Verteilungsentscheidung zu dokumentieren: die Priorisierung von Dossiers in der Bundesverwaltung, die Mittelzuteilung im öffentlichen Gesundheitswesen, die Telekommunikationswartung oder Produktionskapazitäten in der Präzisionsindustrie. Vor der Entscheidung würde die Führungskraft klären, was noch offen ist, Stellungnahmen der betroffenen Teams einholen und jede Antwort in einer für Berechtigte zugänglichen Notiz festhalten. Gemessen würde der Anteil der Stellungnahmen, die eine begründete Antwort erhalten haben, ergänzt nach der Entscheidung durch zwei getrennte Fragen: «Konnten Sie Ihre Argumente einbringen?» und «Ist das Ergebnis für Sie vorteilhaft?». Diese Erfassung würde prüfen, ob das Zuhören nachvollziehbar ist, und zwei Wahrnehmungen unterscheiden, ohne allein eine bessere Entscheidung nachzuweisen. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Bern im Kanton Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Bern



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