Wohlbefindensbefragung: Soll gute Stimmung zum Ziel werden?

Eine Befragung zum Wohlbefinden kann unbeabsichtigt zur Vorgabe werden, wie sich Mitarbeitende fühlen sollten. Die Führungsfrage lautet konkret: Wie lässt sich Wohlbefinden beobachten, ohne die berichtete Zufriedenheit zu einer Leistungspflicht zu machen?
Was die Forschung belegt
Iris B. Mauss, Maya Tamir, Craig L. Anderson und Nicole S. Savino (2011, Emotion) zeigen, dass eine starke Wertschätzung des Glücklichseins unter bestimmten Bedingungen eine paradoxe Wirkung haben kann. In ihrem Experiment verringerte eine Aufforderung, dem Glücklichsein einen hohen Stellenwert beizumessen, die positiven Emotionen bei einem fröhlichen Film, nicht aber bei einem traurigen. Die Enttäuschung über den eigenen emotionalen Zustand trägt zur Erklärung dieses Effekts bei: Die Erwartung, glücklich zu sein, kann zu einem Massstab werden, dem das Erleben nicht entspricht.
Eine Emotion annehmen, statt einen Zustand erreichen zu müssen
Brett Q. Ford, Phoebe Lam, Oliver P. John und Iris B. Mauss (2018, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchen die Akzeptanz negativer Gedanken und Emotionen anhand von Laborforschung, einer Tagebuchstudie und einer Längsschnittuntersuchung. Ihre Ergebnisse verbinden die gewohnheitsmässige Akzeptanz mit geringeren negativen emotionalen Reaktionen auf belastende Ereignisse und einer späteren besseren psychischen Gesundheit. Der beobachtete Nutzen besteht somit nicht einfach darin, mehr positive Emotionen zu erleben.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, auf Zufriedenheitsbefragungen oder Initiativen zum Wohlbefinden zu verzichten. Das belegen diese Arbeiten nicht: Sie betreffen den Umgang mit Emotionen, nicht die Wirksamkeit betrieblicher Befragungen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen besseren Arbeitsbedingungen und der, auch impliziten, Erwartung, dass alle das gewünschte emotionale Ergebnis erleben. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus den Daten nicht ableiten lässt
Diese Studien untersuchen weder eine Weiterbildung zu emotionaler Intelligenz noch eine Führungspraxis in einem Zürcher Unternehmen. Sie belegen nicht, dass ein Zufriedenheitsziel zwangsläufig psychische Belastung verursacht oder Antworten verzerrt. Eine Emotion anzunehmen bedeutet auch nicht, die auslösenden Bedingungen hinzunehmen: Eine übermässige Arbeitsbelastung bleibt ein organisatorisches Problem.
Eine überprüfbare Praxis in Zürich
Im Rahmen des SHR-Programms «Emotionale Intelligenz» bietet sich für Führungskräfte aus Finanzdienstleistungen, Versicherungen, der Tech-Branche und europäischen Konzernzentralen in Zürich eine Übung an: die Besprechungen der nächsten Befragungsergebnisse zu überprüfen. Für jedes Team wird festgehalten, ob daraus eine konkrete Änderung der Arbeitsbedingungen mit verantwortlicher Person und Nachverfolgungstermin hervorgeht oder lediglich die Aufforderung, positiver zu sein. Anschliessend wird der Anteil der Ergebnisbesprechungen mit mindestens einer so dokumentierten organisatorischen Massnahme berechnet und deren Fortschritt zum vereinbarten Termin überprüft. Dieser Indikator misst keine emotionale Intelligenz; er prüft, ob das Zuhören zu mehr führt als zur Erwartung guter Stimmung. Weiterführend: entdecken Sie die Emotionale Intelligenz-Weiterbildung in Zürich im Kanton Zürich, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Emotionale Intelligenz in Zürich



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