Korrigierte Information, korrigierte Entscheidungen? Eine Frage für Zürich

Eine falsche Vertriebskennzahl, eine irrtümlich angenommene Störungsursache oder eine überholte interne Regel können berichtigt werden, ohne aus den Überlegungen zu verschwinden. Die konkrete Führungsfrage lautet: Wie lässt sich überprüfen, ob eine Richtigstellung Entscheidungen verändert, statt lediglich die Zahl der empfangenen Nachrichten zu erhöhen?
Was die Forschung belegt
Stephan Lewandowsky, Ullrich K. H. Ecker, Colleen M. Seifert, Norbert Schwarz und John Cook (2012, Psychological Science in the Public Interest) geben einen Überblick über die Forschung zum anhaltenden Einfluss bereits korrigierter Informationen. Eine Person kann anerkennen, dass eine Information zurückgezogen wurde, und sie dennoch für Schlussfolgerungen verwenden. Die Übersicht legt deshalb nahe, zwischen der Erinnerung an eine Richtigstellung und ihrer Berücksichtigung im Denken zu unterscheiden.
Warnungen reichen nicht immer aus
Ullrich K. H. Ecker, Stephan Lewandowsky und David T. W. Tang (2010, Memory & Cognition) zeigen experimentell, dass ausdrückliche Warnungen diesen anhaltenden Einfluss verringern können, ohne ihn zu beseitigen. Der Hinweis auf möglicherweise irreführende Informationen garantiert somit nicht, dass spätere Schlussfolgerungen davon unabhängig bleiben. Für eine Führungskraft ist die Kennzeichnung eines Dokuments als vorläufig eine Vorsichtsmassnahme, aber keine Absicherung gegen seine Weiterverwendung.

Der vorschnelle Schluss
Daraus abzuleiten, dass Richtigstellungen nutzlos seien oder den Irrtum zwangsläufig verstärkten, wäre überzogen. Die Übersicht von 2012 hebt insbesondere den Nutzen einer schlüssigen alternativen Erklärung hervor: Wird eine vermutete Ursache zurückgenommen, kann sonst eine Lücke im Verständnis des Ereignisses entstehen. Bei der Korrektur einer Störungsdiagnose gilt es deshalb darzulegen, was inzwischen feststeht, und davon abzugrenzen, was weiterhin ungewiss ist. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht versprechen können
Die experimentellen Arbeiten verwenden unter anderem Erzählungen und Denkaufgaben, welche die Freigabeprozesse einer Bank, eines Versicherers oder einer internationalen Konzernzentrale nicht abbilden. Sie liefern keine Wirksamkeitsquote, die sich direkt auf ein Zürcher Team übertragen liesse. Eine Lesebestätigung belegt in der Praxis noch weniger, dass eine Richtigstellung in eine Entscheidung eingeflossen ist.
Eine überprüfbare Praxis in Zürich
Im Rahmen des SHR-Programms Communication könnte ein Zürcher Team aus Finanzdienstleistungen, Versicherung, Tech oder einer europäischen Konzernzentrale zwei Formate anhand eines fiktiven, auf seine Tätigkeit zugeschnittenen Falls testen. Die Teilnehmenden erhalten nach zufälliger Zuteilung entweder eine kurze Richtigstellung oder eine Richtigstellung mit den korrigierten Fakten und einer belegten alternativen Erklärung; anschliessend bearbeiten sie dieselbe Entscheidungsaufgabe. Gemessen wird der Anteil der Begründungen, die weiterhin auf die zurückgezogene Information zurückgreifen, anhand eines vor der Übung festgelegten Auswertungsrasters. Dieser lokale Vergleich würde keine allgemeine Wirksamkeit belegen, aber prüfen, ob das zweite Format das Fortwirken des Irrtums bei dieser Aufgabe verringert. Weiterführend: entdecken Sie die Kommunikation-Weiterbildung in Zürich im Kanton Zürich, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Kommunikation in Zürich



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