Soll in Sion ein Einzelfall die Prioritäten bestimmen?

Wenn Führungskräfte für eine Massnahme werben, geben sie dem Problem oft ein Gesicht: einen Patienten, eine Winzerin oder einen Gast. Die Führungsfrage ist präzise: Hilft die Darstellung einer einzelnen begünstigten Person, Prioritäten zu setzen, oder macht sie es vor allem schwieriger, ein Anliegen abzulehnen?
Was die Forschung belegt
Deborah A. Small und George Loewenstein (2003, Journal of Risk and Uncertainty) zeigen experimentell, dass eine bereits bestimmte betroffene Person mehr Hilfe auslösen kann als eine Person, die erst noch bestimmt werden muss, selbst ohne ausführliche persönliche Beschreibung. Der Effekt beruht somit nicht zwingend auf einer anschaulichen Erzählung oder einem Foto. Bereits die Wahrnehmung des Empfängers als konkrete Person kann die Reaktion verändern.
Nachdenken beseitigt den Unterschied nicht unbedingt
Deborah A. Small, George Loewenstein und Paul Slovic (2007, Organizational Behavior and Human Decision Processes) untersuchen Spenden für identifizierbare und statistisch dargestellte Betroffene. In ihren Experimenten verringert der Hinweis auf diesen Unterschied die Hilfe für die identifizierbare Person, ohne die Hilfe für statistisch dargestellte Betroffene entsprechend zu erhöhen. Nachdenken kann somit einen Antrieb zur Grosszügigkeit abschwächen, statt diese Grosszügigkeit auf Bedürfnisse ohne persönliches Gesicht umzulenken.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass eine sachgerechte Kommunikation auf Einzelfälle verzichten sollte. Diese Regel lässt sich aus den Arbeiten nicht begründen: Eine konkrete Darstellung kann einem Problem Aufmerksamkeit verschaffen, ohne seinen relativen Vorrang zu belegen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen der Mobilisierung für ein Problem und der Ressourcenverteilung zwischen mehreren Problemen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht entscheiden können
Diese Studien betreffen Hilfs- und Spendenentscheidungen, nicht die Ressourcenverteilung durch professionelle Teams in Sion. Sie belegen weder, dass ein Einzelbeispiel eine Entscheidung systematisch verschlechtert, noch, dass eine aggregierte Darstellung immer besser wäre. In der Praxis ist zudem zu prüfen, ob der dargestellte Fall repräsentativ, aussergewöhnlich oder gerade wegen seiner emotionalen Wirkung ausgewählt wurde.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Im Rahmen des SHR-Programms Communication lässt sich einer Organisation in Sion eine Übung mit einem fiktiven Dossier aus Wasserkraft, Gesundheitswesen, Weinbau oder alpinem Tourismus anbieten. Die Teilnehmenden werden zufällig zwei Versionen mit denselben Kosten, Bedürfnissen und Folgen zugeteilt: Eine enthält nur aggregierte Daten, die andere zusätzlich das ausdrücklich fiktive Porträt einer begünstigten Person, ohne weitere entscheidungsrelevante Informationen. Vor jeder Diskussion werden der dem Dossier zugewiesene Budgetanteil und die wichtigste Begründung jeder Wahl erfasst. Der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Zuteilungen ist ein überprüfbarer Indikator für die Darstellungssensitivität in dieser Übung, aber kein Beweis für verzerrte Entscheidungen im tatsächlichen Organisationsalltag. Weiterführend: entdecken Sie die Kommunikation-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Kommunikation in Sitten



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