Ergebnisserien: Was der Zufall nicht ausgleicht

Ein Lieferant liefert dreimal hintereinander nicht konforme Ware: Ist deshalb bei der nächsten Lieferung eher mit einem einwandfreien Ergebnis zu rechnen? Die relevante Führungsfrage lautet nicht, ob die Serie enden muss, sondern ob die verfügbaren Beobachtungen eine Anpassung der Prognose rechtfertigen.
Was die Literatur belegt
Amos Tversky und Daniel Kahneman (1971, Psychological Bulletin) beschreiben die Überzeugung, dass eine kleine Stichprobe die Eigenschaften ihrer Grundgesamtheit zuverlässig abbilden sollte. Ihre Beobachtungen bei Forschenden zeigen, dass eine wissenschaftliche Ausbildung nicht unbedingt vor dieser überhöhten Erwartung an die Repräsentativität schützt. Auf eine Ergebnisfolge übertragen kann diese Überzeugung eine unausgewogene Serie überraschender erscheinen lassen, als sie tatsächlich ist.
Warum ein Ausgleich plausibel erscheint
Daniel Kahneman und Amos Tversky (1972, Cognitive Psychology) untersuchen Wahrscheinlichkeitsurteile, die auf Repräsentativität beruhen: Ein Ergebnis erscheint wahrscheinlich, wenn es den Erwartungen an den erzeugenden Prozess entspricht. Eine kurze Folge abwechselnd guter und schlechter Ergebnisse kann deshalb zufälliger wirken als eine Folge mit mehreren gleichen Ergebnissen. Ein intuitiv plausibler Wechsel wird dann möglicherweise mit einer fundierten Prognose verwechselt.

Der vorschnelle Schluss
Daraus abzuleiten, dass frühere Ergebnisse eine Entscheidung niemals beeinflussen sollten, wäre dennoch falsch. Sind Ereignisse unabhängig und ihre Wahrscheinlichkeiten konstant, macht eine Serie von Misserfolgen den nächsten Erfolg nicht wahrscheinlicher; bei einem Lieferanten dürfen diese Bedingungen jedoch nicht einfach vorausgesetzt werden. Aufeinanderfolgende Zwischenfälle können auf eine anhaltende Störung hinweisen, während eine dokumentierte Korrektur eine Anpassung der Prognose rechtfertigen kann. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Arbeiten nicht entscheiden können
Diese Arbeiten befassen sich mit Wahrscheinlichkeitsurteilen, nicht mit der Wirksamkeit einer Qualitätskontrollstrategie in einem Unternehmen an der Waadtländer Riviera. Sie liefern weder eine allgemeingültige Warnschwelle noch eine Anzahl von Lieferungen, nach der ein Lieferantenwechsel angezeigt wäre. Die Grenze der gängigen Praxis zeigt sich dort, wo eine Rückkehr zum Normalzustand erwartet wird, ohne eine konkrete Veränderung im Prozess zu benennen.
Eine überprüfbare Praxis in Vevey
Im Rahmen des SHR-Programms zur Entscheidungsfindung könnte ein Einkaufsteam am Hauptsitz eines globalen Lebensmittelkonzerns oder in einem KMU der Riviera in Vevey ein Prognoseprotokoll nach Zwischenfällen erproben. Vor der nächsten Lieferung würde es das geschätzte Risiko einer Nichtkonformität, die jüngsten Ergebnisse und jede dokumentierte Prozessänderung festhalten. Über einen vorab festgelegten Zeitraum würde es den Anteil jener Risikosenkungen in den Prognosen berechnen, die allein mit dem Gedanken «Die Serie muss enden» begründet werden, und anschliessend die Prognosen mit den beobachteten Ergebnissen vergleichen. Diese Kennzahl macht eine Argumentation überprüfbar; für sich allein belegt sie keine Qualitätsverbesserung. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Vevey im Kanton Waadt, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Vevey



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