Präsentieren in Bern: erst nachdenken lassen, dann erklären?

Bei beruflichen Präsentationen sind Fragen meist erst vorgesehen, wenn das Publikum die Informationen bereits erhalten hat. Die präzisere Führungsfrage lautet: Sollte man die Teilnehmenden eine Entscheidungsregel zunächst selbst anzuwenden versuchen lassen, bevor man sie erklärt?
Was die Forschung belegt
Nate Kornell, Matthew J. Hays und Robert A. Bjork (2009, Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition) zeigen in Lernexperimenten, dass ein erfolgloser Versuch, eine Antwort abzurufen, das Lernen der anschliessend präsentierten richtigen Antwort verbessern kann. Ein anfänglicher Fehler ist somit nicht zwangsläufig ein Hindernis: Unter den untersuchten Bedingungen kann ein eigener Versuch vor der Lösung hilfreich sein. Diese Ergebnisse betreffen allerdings experimentelle Aufgaben und keine Präsentationen vor einem Entscheidungsgremium.
Eine Frage, die die Erklärung vorbereitet
Lindsey E. Richland, Nate Kornell und Liche Sean Kao (2009, Journal of Experimental Psychology: Applied) beobachten ebenfalls, dass vorab gestellte Fragen das anschliessende Lernen anhand eines Textes fördern können, selbst wenn die ersten Antwortversuche scheitern. Das Ergebnis stützt die Annahme, dass eine Frage die Verarbeitung jener Informationen vorbereiten kann, die zu ihrer Beantwortung nötig sind. Für Vortragende geht es daher nicht einfach darum, «die Veranstaltung interaktiv zu gestalten», sondern einen eigenen Lösungsversuch zu genau dem anzuregen, was die folgende Erklärung klären soll.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, jede Präsentation müsse mit einer schwierigen Frage beginnen. Die zitierten Arbeiten belegen jedoch weder den Nutzen einer öffentlichen Prüfungssituation noch eine Wirkung auf die Zustimmung zu einer Empfehlung. Ein individueller Versuch ohne Bewertung, gefolgt von einer ausdrücklichen Antwort, ist eine vorsichtigere Übertragung als eine spontane Befragung vor Kolleginnen und Kollegen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten offenlassen
Der Wechsel vom experimentellen Lernen zur beruflichen Präsentation verändert die Tragweite, das Vorwissen und die Aufmerksamkeitsbedingungen. Die zitierten Studien belegen nicht, dass eine vorangestellte Frage eine reale Entscheidung verbessert oder dass ihr Nutzen sämtliche präsentierten Inhalte erfasst. Ebenso wenig entfällt die klare Korrektur: Eine Vermutung im Raum stehen zu lassen ist nicht dasselbe, wie Lernen zu ermöglichen.
Eine überprüfbare Praxis in Bern
Im SHR-Programm «Public Speaking & impact» liesse sich in Bern eine Übung testen, die eine Regel anhand eines fiktiven Falls aus der Bundesverwaltung, dem öffentlichen Gesundheitswesen, der Telekommunikation oder der Präzisionsindustrie vermittelt. Die Teilnehmenden werden zufällig einer Variante mit individuellem schriftlichem Lösungsversuch vor der Erklärung oder einer Variante mit der Erklärung allein zugeteilt, bei gleicher Gesamtdauer und identischen abschliessenden Informationen. In einer späteren Sitzung bearbeiten sie ohne Unterlagen einen neuen Anwendungsfall; verglichen wird der Anteil richtiger Antworten anhand eines vorab festgelegten Bewertungsrasters. Der beobachtete Unterschied wäre ein lokaler Indikator für den Transfer statt lediglich eine Bewertung des lebendigen Auftretens. Weiterführend: entdecken Sie die Public Speaking & Wirkung-Weiterbildung in Bern im Kanton Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Public Speaking & Wirkung in Bern



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