Auf Englisch präsentieren in Zürich: Verzerrt der Akzent die Beurteilung der Botschaft?

Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Technologieunternehmen und europäische Konzernzentralen in Zürich bilden ein Umfeld, in dem Englisch Menschen mit unterschiedlichen Erstsprachen zusammenbringen kann. Die konkrete Führungsfrage lautet: Wie lässt sich eine mündlich vorgetragene Empfehlung beurteilen, ohne die Vertrautheit eines Akzents mit der Stichhaltigkeit der Entscheidungsgrundlage zu verwechseln?
Was die Forschung belegt
Shiri Lev-Ari und Boaz Keysar (2010, Journal of Experimental Social Psychology) liessen Versuchspersonen den Wahrheitsgehalt von Aussagen beurteilen, die von Personen mit oder ohne Englisch als Erstsprache vorgelesen wurden. In ihren Experimenten wurden Aussagen mit einem nichtmuttersprachlichen Akzent als weniger wahr beurteilt, obwohl die vorlesenden Personen die Aussagen nicht selbst verfasst hatten. Das zeigt, dass ein Merkmal der Vermittlung die Beurteilung des Inhalts beeinflussen kann, belegt aber keinen universellen Nachteil für jeden Akzent.
Leichte Verarbeitung als irreführender Hinweis
Rolf Reber und Norbert Schwarz (1999, Consciousness and Cognition) zeigten, dass die visuelle Lesbarkeit einer Aussage deren Beurteilung als wahr beeinflussen konnte. Ihre Untersuchung veränderte die visuelle Lesbarkeit, nicht die gesprochene Sprache, stützt aber einen relevanten Mechanismus: Leichte Verarbeitung kann als Hinweis auf Wahrheit dienen. Bei einer Präsentation könnte der Aufwand des Verstehens deshalb der Botschaft zugeschrieben werden statt den Bedingungen ihrer Aufnahme.

Der vorschnelle Schluss
Daraus abzuleiten, Vortragende müssten ihren Akzent ablegen, würde einen Befund über die Urteile der Zuhörenden in eine Vorschrift für die Sprechenden verwandeln. Diese Studien zeigen weder, dass ein muttersprachlicher Akzent schlüssige Argumente garantiert, noch dass Akzentreduktion kollektive Entscheidungen verbessert. Für Führungskräfte geht es auch darum, tatsächliche Verständnisschwierigkeiten von einem allgemeinen Eindruck geringerer Kompetenz zu unterscheiden. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Experimente nicht abbilden
Kurze Aussagen zu beurteilen ist nicht dasselbe, wie eine Anlageempfehlung, ein Versicherungsrisiko oder ein Technologieprojekt zu prüfen. Im beruflichen Austausch kommen Unterlagen, Vorkenntnisse über die Vortragenden und Möglichkeiten zur Klärung hinzu. Die verfügbaren Befunde rechtfertigen deshalb eine kritische Prüfung der Bewertungskriterien, aber keine bezifferte Schätzung des Nachteils für Vortragende in Zürich.
Eine überprüfbare Praxis in Zürich
Im SHR-Programm «Public Speaking & impact» wäre für Zürcher Teams folgende Übung denkbar: Zwei getrennte, zufällig zugeteilte Gruppen beurteilen eine aufgezeichnete Präsentation beziehungsweise deren anonymisiertes Transkript anhand desselben Rasters zu Empfehlung, Belegen und Grenzen. Die zentrale Messgrösse wäre die mittlere Differenz der Bewertungen zur Stichhaltigkeit der Argumente zwischen den beiden Formaten, ergänzt durch eine separate Frage zur Verständlichkeit. Diese Differenz würde den Akzent nicht isolieren, da mit der Verschriftlichung auch Stimme und Rhythmus wegfallen, könnte aber eine mögliche Formatabhängigkeit der Bewertung überprüfbar machen. Die Nachbesprechung würde sich auf die dokumentierten Bewertungsgründe konzentrieren, nicht auf die Übereinstimmung mit einem muttersprachlichen Englischideal. Weiterführend: entdecken Sie die Public Speaking & Wirkung-Weiterbildung in Zürich im Kanton Zürich, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Public Speaking & Wirkung in Zürich



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