Der Führungskraft unfertige Arbeit zeigen: Wie bleibt Raum für Erkundung?

Für Mitarbeitende kann es sinnvoll sein, einen noch unausgereiften Vorschlag zu zeigen, ohne ihn sofort zur Genehmigung vorzulegen. Die Führungsfrage lautet konkret: Wie lässt sich diese Arbeit mit der Führungskraft besprechen, ohne die Lösungssuche vorzeitig in eine Prüfung der Konformität zu verwandeln?
Was die Literatur belegt
Teresa Amabile (1979, Journal of Personality and Social Psychology) untersuchte experimentell, wie sich eine erwartete externe Bewertung auf die Kreativität künstlerischer Arbeiten auswirkt. Unter den untersuchten Bedingungen kann die Erwartung einer Bewertung die Kreativität der Arbeiten mindern, die von unabhängigen Personen beurteilt wurde. Dieser Befund legt nahe, den vorab angekündigten Rahmen einer Entwurfsbesprechung zu prüfen, ohne zu belegen, dass der Blick einer Führungskraft zwangsläufig schädlich wäre.
Der Mechanismus: Lösungen suchen oder ein Urteil vorwegnehmen
Teresa Amabile (1983, Journal of Personality and Social Psychology) schlägt ein Modell vor, das fachbezogene Fähigkeiten, kreativitätsrelevante Prozesse und die aufgabenbezogene Motivation unterscheidet. Dieser theoretische Beitrag macht verständlich, weshalb das nötige Fachwissen allein noch keine kreative Erkundung gewährleistet. Im Gespräch mit der Führungskraft kann die Orientierung daran, was gut bewertet wird, mit der Prüfung noch unsicherer Ansätze in Spannung geraten; diese Übertragung bleibt eine Hypothese und ist kein direkt an dieser Beziehung getesteter Befund.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, unfertige Arbeiten dem Blick der Führungskraft zu entziehen. Damit würde jedoch die erwartete Bewertung mit jeder Form eines Beitrags gleichgesetzt: Eine Führungskraft kann auch eine hilfreiche Rahmenbedingung, eine Ressource oder eine fehlende Information einbringen. Entscheidend ist daher die Funktion des Gesprächs — Möglichkeiten erkunden, auswählen oder genehmigen — und nicht die Anwesenheit der Führungskraft. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht versprechen können
Ein Experiment mit künstlerischen Arbeiten erlaubt keine direkte Vorhersage darüber, wie eine Bundesstelle, eine Organisation im Bereich der öffentlichen Gesundheit oder ein Unternehmen funktioniert. Ebenso wenig belegt das theoretische Modell, dass die Ankündigung «Das ist ein Entwurf» genügt, um hierarchische Bewertungsrisiken aufzuheben. Wird eine erkundende Präsentation später zur Beurteilung der Kompetenz von Mitarbeitenden herangezogen, schützt die Bezeichnung der Sitzung die Erkundung kaum.
Eine überprüfbare Praxis in Bern
Im Rahmen des SHR-Programms «Eine wirksame Beziehung zur Führungskraft aufbauen» bietet sich in Bern folgende Übung an: Vor der Präsentation eines Entwurfs wird schriftlich festgehalten, ob das Gespräch der Erkundung, der Auswahl oder der Genehmigung dient und welche Rahmenbedingungen nicht verhandelbar sind. In der Bundesverwaltung, der öffentlichen Gesundheit, der Telekommunikation oder der Präzisionsindustrie entbindet diese Unterscheidung niemals von regulatorischen Prüfungen sowie Sicherheits- und Qualitätskontrollen. Während einer vierwöchigen Testphase werden für jedes Gespräch der angekündigte Zweck und das Ergebnis dokumentiert; anschliessend wird der Anteil erkundender Gespräche berechnet, die zu einer ungeplanten Genehmigungsanforderung führten. Diese Kennzahl misst die Einhaltung des vereinbarten Rahmens, nicht die Kreativität; sie ermöglicht ein Gespräch darüber, wann Erkundung ohne ausdrückliche Vereinbarung zur Bewertung wird. Weiterführend: entdecken Sie die Eine wirksame Beziehung zur Führungskraft aufbauen-Weiterbildung in Bern im Kanton Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Eine wirksame Beziehung zur Führungskraft aufbauen in Bern



- eine wirksame beziehung zur führungskraft aufbauen
- Bern
- forschung
- Weiterbildung bern
