Konfliktmanagement: Baut der Kontakt zwischen Abteilungen Vorurteile ab?

Wenn eine Abteilung die andere regelmässig als starr oder nachlässig bezeichnet, wird eine technische Meinungsverschiedenheit mit einem pauschalen Gruppenurteil aufgeladen. Die Führungsfrage lautet konkret: Können organisierte Begegnungen im Arbeitskontext solche Vorurteile vor der nächsten Auseinandersetzung abbauen?
Was die Literatur belegt
Thomas F. Pettigrew und Linda R. Tropp (2006, Journal of Personality and Social Psychology) zeigen in einer Metaanalyse, dass Kontakt zwischen Gruppen im Allgemeinen mit einem Abbau von Vorurteilen verbunden ist. Dieser Zusammenhang ist stärker, wenn günstige Bedingungen vorliegen, insbesondere ein gleichberechtigter Status innerhalb der Situation, Zusammenarbeit, gemeinsame Ziele und institutionelle Unterstützung. Diese Bedingungen begünstigen die Wirkung, ohne dass sie alle zwingende Voraussetzungen wären.
Kontakt vermittelt nicht nur Informationen
Thomas F. Pettigrew und Linda R. Tropp (2008, European Journal of Social Psychology) untersuchen drei mögliche Erklärungsmechanismen: Wissenszuwachs, Verringerung von Ängsten sowie die Entwicklung von Empathie und Perspektivenübernahme. Ihre Analysen gewichten die beiden letztgenannten Mechanismen stärker als das blosse Lernen über die andere Gruppe. Für Führungskräfte legt dies nahe, dass eine Präsentation der Abläufe einer anderen Abteilung keinen Austausch ersetzt, bei dem alle Fragen stellen können, ohne sich bedroht zu fühlen.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man schliessen, dass sich zerstrittene Abteilungen lediglich häufiger treffen müssten. Die Studien rechtfertigen es jedoch nicht, eine verpflichtende Sitzung mit kooperativem Kontakt unter günstigen Bedingungen gleichzusetzen. Eine Begegnung, bei der eine Abteilung ausschliesslich ihre Fehler gegenüber der anderen rechtfertigen muss, kann das Ungleichgewicht fortschreiben, statt die gegenseitigen Vorstellungen zu verändern. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten nicht nachweisen
Diese Arbeiten betreffen Vorurteile zwischen Gruppen, nicht unmittelbar die Konfliktlösung in Unternehmen der Präzisionsindustrie. Die zweite Metaanalyse baut auf der ersten auf und stellt keine unabhängige Bestätigung in diesem industriellen Kontext dar. Verbesserte Wahrnehmungen belegen daher weder, dass eine Meinungsverschiedenheit über Toleranzen verschwunden ist, noch dass Fertigungsfehler zurückgegangen sind.
Eine überprüfbare Praxis in Neuchâtel
In einem Neuenburger Unternehmen der Mikrotechnik, Uhrenindustrie oder Präzisionsmikroelektronik könnte eine Übung im SHR-Programm «Gestion du conflit» als gegenseitige Hospitation zwischen Arbeitsvorbereitung und Qualitätssicherung gestaltet werden, anhand eines abgeschlossenen Falls ohne Bezug zur individuellen Leistungsbeurteilung. Vor dem Austausch und erneut bei der nächsten vergleichbaren Auseinandersetzung benennt jede teilnehmende Person eine überprüfbare Rahmenbedingung der anderen Abteilung und lässt sie von dieser bestätigen oder korrigieren. Als Kennzahl dient der Anteil der ohne Korrektur bestätigten Rahmenbedingungen, ergänzt um die Anzahl der abgegebenen Antworten: eine Überprüfung des gegenseitigen Verständnisses, kein Nachweis für weniger Konflikte. Weiterführend: entdecken Sie die Konfliktmanagement-Weiterbildung in Neuenburg im Kanton Neuenburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Konfliktmanagement in Neuenburg



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