Konfliktmanagement: Verändert ein als Verlust dargestellter Kompromiss die Entscheidung?

Eine Reorganisation lässt sich anhand der erhaltenen Ressourcen oder der entzogenen Mittel beschreiben. Die Führungsfrage lautet konkret: Sollte man prüfen, wie die Folgen formuliert wurden, bevor man die Ablehnung eines Kompromisses auf Unnachgiebigkeit zurückführt?
Was die Forschung belegt
Daniel Kahneman und Amos Tversky (1979, Econometrica) schlagen ein Modell für Entscheidungen unter Risiko vor, in dem Ergebnisse relativ zu einem Referenzpunkt bewertet werden und nicht allein anhand ihres Endwerts. Verluste wiegen darin schwerer als gleich grosse Gewinne, und die Risikoeinstellung unterscheidet sich je nach Bereich. Für das Konfliktmanagement ergibt sich daraus eine vorgelagerte Frage: Welche Situation betrachtet jede Partei als ihren legitimen Ausgangspunkt?
Wenn die Formulierung Präferenzen verschiebt
Amos Tversky und Daniel Kahneman (1981, Science) zeigen, dass unterschiedliche Formulierungen gleichwertiger Entscheidungsprobleme die Präferenzen zwischen sicheren und riskanten Optionen verändern können. Eine Darstellung als gerettete oder als verlorene Menschenleben führt nicht zwangsläufig zur gleichen Wahl. Der relevante Mechanismus betrifft somit nicht nur unterschiedliche Einschätzungen der Folgen, sondern auch die Frage, wie diese gedanklich zu Gewinnen oder Verlusten werden.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass eine positive Darstellung genügt, um einen Kompromiss akzeptabel zu machen. Diese Arbeiten belegen weder, dass ein günstiger Deutungsrahmen einen Konflikt am Arbeitsplatz löst, noch dass er eine Entscheidung gerechter macht. Eine Formulierung, die einen tatsächlichen Verlust verdeckt, macht aus einem Instrument der Klärung ein Mittel der Einflussnahme. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht klären können
Diese Artikel behandeln Entscheidungen unter Risiko, nicht die Beobachtung von Konfliktverläufen in Organisationen. Sie erlauben keine Einschätzung der Wirkung einer Umformulierung, wenn Rechte, dauerhafte Beziehungen oder Sicherheitsvorgaben auf dem Spiel stehen. In der Praxis ist deshalb zwischen einer Empfindlichkeit gegenüber der Darstellung und einer Ablehnung aufgrund tatsächlich unterschiedlicher Folgen für die Parteien zu unterscheiden.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Im Konfliktmanagement-Programm von SHR — Swiss Human Resources kann eine in Sion angesiedelte Übung die Ressourcenverteilung behandeln, mit Varianten aus Wasserkraft, Gesundheitswesen, Weinbau und alpinem Tourismus. Dafür werden zwei inhaltlich exakt gleichwertige Fassungen eines Kompromisses erstellt, wobei eine die erhaltenen und die andere die entzogenen Ressourcen hervorhebt; vor jeder Diskussion werden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip einer Fassung zugeteilt. Für jede Fassung werden der Anteil der zustimmenden Teilnehmenden und deren Begründungen erfasst, anschliessend werden beide Formulierungen offengelegt, um mögliche Unterschiede zu untersuchen. Diese Messung prüft die Empfindlichkeit gegenüber dem Deutungsrahmen innerhalb der Übung; sie beweist nicht, dass eine bestimmte Formulierung einen realen Konflikt lösen würde. Weiterführend: entdecken Sie die Konfliktmanagement-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Konfliktmanagement in Sitten



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