Projektmanagement: Sollten künftige Anwender gemeinsam geschult werden?

Wenn ein Projekt eine neue Anlage oder ein neues Verfahren einführt, werden Schulungen häufig nach der individuellen Verfügbarkeit organisiert. Die präzisere Führungsfrage lautet: Sollten Personen, die später gemeinsam Probleme lösen müssen, auch gemeinsam geschult werden?
Was die Forschung belegt
Diane Wei Liang, Richard Moreland und Linda Argote (1995, Personality and Social Psychology Bulletin) verglichen eine gemeinsame mit einer individuellen Schulung vor einer Montageaufgabe in der Gruppe. Gemeinsam geschulte Gruppen erzielten bessere Leistungen; die Ergebnisse stützten eine vermittelnde Rolle des transaktiven Gedächtnisses. Dieses bezeichnet eine Wissensorganisation, bei der die Mitglieder insbesondere wissen, wer über welche Expertise verfügt: Gemeinsam zu lernen bedeutet somit mehr, als dieselben Inhalte vermittelt zu bekommen.
Wissen, wer was weiss: eine eigenständige Ressource
Kyle Lewis (2003, Journal of Applied Psychology) entwickelte und validierte im Feld ein Messinstrument für das transaktive Gedächtnis mit den Dimensionen Spezialisierung, Glaubwürdigkeit und Koordination. Unterschiedliche Fachkenntnisse allein reichen nicht aus: Ihre Träger müssen bekannt sein, ihr Wissen muss als verlässlich gelten und dessen Nutzung muss koordiniert werden. Für ein Projekt legt dieser Mechanismus nahe, dass eine Schulung auch jene Kompetenzen sichtbar machen kann, auf die die Beteiligten später zurückgreifen können.

Der vorschnelle Schluss
Daraus liesse sich ableiten, dass alle künftigen Anwender jede Schulung gemeinsam besuchen sollten. Diese Regel rechtfertigen die Studien nicht: Gemeinsam einer Präsentation beizuwohnen ist nicht dasselbe, wie die Nutzung des Wissens anderer zu erlernen. Entscheidend ist vielmehr, eine gemeinsame Übung vorzusehen, wenn die spätere Arbeit tatsächlich mehrere Fachgebiete erfordert. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht garantieren können
Das Montageexperiment bildet weder die Qualifizierungsanforderungen eines industriellen Verfahrens noch die Folgen eines Produktionsfehlers ab. Die Feldstudie validiert ein Messinstrument, belegt für sich allein jedoch nicht, dass eine gemeinsame Schulung in jedem Projekt bessere Leistungen verursacht. Ein individueller Nachweis bleibt zur Überprüfung des Lernerfolgs nützlich; er zeigt allein aber nicht, ob die Gruppe die richtige Expertise findet.
Eine überprüfbare Praxis in Neuchâtel
Im Sinne des SHR-Programms «Projektmanagement» kann ein Neuenburger Projekt zur Inbetriebnahme einer Prüfanlage in der Mikrotechnik, der Uhrenindustrie oder der Präzisionsmikroelektronik eine Simulation mit Produktion, Arbeitsvorbereitung und Qualitätssicherung vorsehen. Vor und nach dieser Übung werden ausserhalb der Produktion vergleichbare Störungsfälle vorgelegt; jede Person benennt die zuständige Fachperson und die zu übermittelnden Informationen. Gemessen wird der Anteil korrekt zugeordneter Anfragen anhand eines vorab von den technischen Verantwortlichen genehmigten Bewertungsrasters; die Antworten bleiben zur Überprüfung dokumentiert. Ein Anstieg würde auf eine bessere Zuordnung zur verfügbaren Expertise hindeuten, allein jedoch keine Verbesserung der Produktionsqualität belegen. Weiterführend: entdecken Sie die Projektmanagement-Weiterbildung in Neuenburg im Kanton Neuenburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Projektmanagement in Neuenburg



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