Psychosoziale Risiken im Kanton Genf: Lassen sich widersprüchliche Anweisungen ohne persönliche Nachteile ansprechen?

Genf vereint auf engem Raum internationale Organisationen, Privatbanken, Rohstoffhandelsunternehmen und Uhrenmarken mit stark multikulturellen Teams, in denen Französisch und Englisch nebeneinander verwendet werden. Für das SHR-Programm «Psychosoziale Risiken» stellt sich eine präzise Führungsfrage: Wie lässt sich überprüfen, ob widersprüchliche Anweisungen angesprochen und geklärt werden können, statt stillschweigend ertragen zu werden?
Was die Forschung belegt
Amy Edmondson (1999, Administrative Science Quarterly) zeigt einen Zusammenhang zwischen psychologischer Sicherheit im Team und Lernverhalten, etwa dem Besprechen von Fehlern und dem Einholen von Rückmeldungen. Diese Sicherheit bezeichnet die geteilte Überzeugung, dass im Team zwischenmenschliche Risiken eingegangen werden können, beispielsweise eine Schwierigkeit einzugestehen oder um Hilfe zu bitten. Sie bedeutet weder dauerndes Wohlbefinden noch fehlende Anforderungen, und die Studie weist keine direkte Schutzwirkung auf die psychische Gesundheit nach.
Der Mechanismus des organisationalen Schweigens
Elizabeth Wolfe Morrison und Frances J. Milliken (2000, Academy of Management Review) schlagen ein theoretisches Modell des organisationalen Schweigens vor: Bestimmte Führungspraktiken und Überzeugungen können die Vorstellung fördern, dass es gefährlich oder zwecklos sei, Probleme anzusprechen. Es handelt sich um einen konzeptionellen Beitrag, nicht um eine Erhebung zur Häufigkeit des Schweigens in Genf. Er hilft dennoch, zwei praktische Hindernisse zu unterscheiden: die Angst vor der Reaktion der Führungskraft und die Erwartung, dass ohnehin keine Klärung folgt.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man folgern, dass die Einladung zur offenen Aussprache genügt, um psychosozialen Risiken vorzubeugen. Eine Einladung löst jedoch keinen Widerspruch zwischen einer kommerziellen Frist und einer vorgeschriebenen Kontrolle, und eine Wortmeldung ohne Antwort kann das Problem unverändert lassen. In einer Genfer Privatbank oder einem Rohstoffhandelsunternehmen wäre ein solcher Konflikt ein hypothetisches Beispiel für Klärungsbedarf, keine Schwierigkeit, deren lokale Verbreitung diese Studien belegen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Die Grenzen der Daten und der üblichen Praxis
Diese Arbeiten beleuchten die Bedingungen des Ansprechens von Problemen am Arbeitsplatz, erlauben aber nicht den Schluss, dass mehr Meldungen gesundheitliche Beschwerden verringern. Auch ein zweisprachiges Formular garantiert in einem französisch- und englischsprachigen Team nicht, dass alle unter «Dringlichkeit», «Freigabe» oder «Priorität» dasselbe verstehen. Wenige Meldungen bleiben mehrdeutig: Sie können auf wenige Widersprüche hinweisen, aber auch auf einen wenig glaubwürdigen oder schwer zugänglichen Meldeweg.
Eine überprüfbare Praxis in Genf
Als Anwendungsübung des Programms könnte ein Genfer Team während vier Wochen ein zugriffsbeschränktes Register widersprüchlicher Anweisungen auf Französisch und Englisch testen, ohne Kundennamen oder sensible Geschäftsdaten. Für jeden Fall würden die widersprüchlichen Anweisungen, die für die Klärung zuständige Person, das Antwortdatum und der mitgeteilte Entscheid festgehalten; hypothetische Beispiele wären konkurrierende Freigabeanforderungen in einer internationalen Organisation oder ein Konflikt zwischen Termin und Qualitätskontrolle in der Luxusuhrenherstellung. Gemessen würde der Anteil der erfassten Fälle mit einem ausdrücklichen, dem Team mitgeteilten Entscheid, ergänzt durch die Prüfung ungelöster Fälle. Diese Kontrolle würde den Umgang mit gemeldeten Widersprüchen überprüfen, nicht deren tatsächliche Häufigkeit oder eine gesundheitliche Wirkung, und keinen vertraulichen Meldeweg für individuelle Situationen ersetzen. Weiterführend: entdecken Sie die Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Genf im Kanton Genf, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Psychosoziale Risiken in Genf



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