Change Management: Wer entscheidet, wann Arbeit übergabereif ist?

Die Veränderung eines Arbeitsmittels oder einer Organisationsstruktur verschiebt oft die Bedingungen, unter denen ein Fachbereich seine Arbeit an einen anderen übergibt. Die Führungsfrage ist präzise: Wie lässt sich überprüfen, ob das, was das abgebende Team als abgeschlossen betrachtet, für das empfangende Team tatsächlich nutzbar ist?
Was die Literatur belegt
Paul R. Carlile (2002, Organization Science) zeigt in einer Studie zur Entwicklung neuer Produkte, dass Wissen in den Praktiken und Rahmenbedingungen der jeweiligen Fachbereiche verankert ist. An den Grenzen zwischen Fachgebieten reicht es deshalb nicht unbedingt aus, mehr Informationen weiterzugeben, um die Arbeit koordinierbar zu machen. Ein gemeinsames Arbeitsobjekt wird dann nützlich, wenn es Unterschiede und Abhängigkeiten darstellbar macht und die Bearbeitung ihrer Folgen ermöglicht.
Ein gemeinsames Objekt bedeutet noch kein gemeinsames Verständnis
Beth A. Bechky (2003, Organization Science) untersucht den Austausch zwischen Ingenieuren, Technikern und Montagepersonal in einem Produktionsumfeld. Ihre Studie zeigt, wie Verständigungsschwierigkeiten überwunden werden können, indem Probleme in den Arbeitskontext der jeweils anderen Berufsgruppe eingeordnet werden, insbesondere anhand konkreter Objekte. Eine Zeichnung oder ein Bauteil ersetzt diese Übersetzungsarbeit nicht, kann ihr aber einen Bezugspunkt geben.

Der vorschnelle Schluss
Daraus liesse sich ableiten, dass ein einheitliches Formular oder eine harmonisierte Terminologie Schnittstellenprobleme lösen würde. Die Arbeiten legen eine andere Anforderung nahe: Die Kriterien, nach denen die Beteiligten Arbeit als nutzbar beurteilen, müssen besprechbar werden. Zwei Abteilungen können dasselbe Wort, «freigegeben», verwenden und damit unterschiedliche Prüfungen verbinden. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Studien nicht versprechen können
Diese qualitativen Untersuchungen beleuchten kontextgebundene Mechanismen; sie beziffern nicht den kausalen Effekt eines Übergabeprotokolls auf den Erfolg einer Veränderung. Ihre Übertragbarkeit auf andere Branchen muss deshalb geprüft und darf nicht vorausgesetzt werden. Ein zurückgegebenes Dossier kann zudem auf fehlende Informationen, aber auch auf eine berechtigte Kontrolle hinweisen: Keine Rückgaben anzustreben wäre daher ein mehrdeutiges Ziel.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Im SHR-Programm «Change Management» bietet sich in Sion folgende Übung an: eine veränderte Schnittstelle auswählen, etwa zwischen Betrieb und Instandhaltung in der Wasserkraft, zwischen Gesundheitsdiensten, beim Übergang vom Rebberg in den Weinkeller oder zwischen Reservation und Empfang im alpinen Tourismus. Die beiden Teams legen gemeinsam fest, welche Informationen für die Weiterarbeit nötig sind, und erfassen während einer Referenzphase und einer gleich langen Testphase jede Übergabe sowie jede Rückgabe wegen fehlender Informationen. Die Kennzahl ist der Anteil der aus diesem Grund zurückgegebenen Übergaben, wobei die Gesamtzahl dokumentiert und zwischen vermeidbaren Lücken und vorgeschriebenen Kontrollen unterschieden wird. Der Vergleich von Phasen mit ähnlicher Arbeitsbelastung und Tätigkeitszusammensetzung liefert ein lokal überprüfbares Signal, ohne jede Verbesserung automatisch der Übung zuzuschreiben. Weiterführend: entdecken Sie die Change-Leadership-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Change-Leadership in Sitten



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