KI-Einführung: Soll das Arbeitstempo angepasst werden?

Die Einführung von KI kann eine Führungskraft dazu verleiten, die Leistungsvorgaben zu erhöhen, bevor sie die verbleibende Arbeit untersucht hat. Die konkrete Führungsfrage lautet: Unter welchen Bedingungen erlaubt eine schnellere Ausführung ein höheres Arbeitstempo, ohne die psychische Beanspruchung zu erhöhen?
Was die Forschung belegt
Robert Karasek (1979, Administrative Science Quarterly) bringt psychische Beanspruchung mit der Kombination aus hohen Arbeitsanforderungen und geringem Entscheidungsspielraum in Verbindung. Seine Analyse legt nahe, die Arbeitsmenge nicht unabhängig von der Möglichkeit zu betrachten, ihre Ausführung selbst zu organisieren. Für die KI-Einführung bedeutet dies, zwischen der vom Werkzeug ermöglichten Produktionsgeschwindigkeit und der Kontrolle über das eigene Arbeitstempo zu unterscheiden.
Die Arbeit, die nach der Automatisierung bleibt
Lisanne Bainbridge (1983, Automatica) analysiert die «Ironien» der Automatisierung: Werden Abläufe automatisiert, können für Menschen Überwachungsaufgaben und schwierige Eingriffe übrig bleiben. Dieser klassische Beitrag misst nicht die Auswirkungen generativer KI, beschreibt aber einen Mechanismus, der für deren Einführung relevant ist. Ein Team, das Dokumente schneller erstellt, muss möglicherweise mehr Aufmerksamkeit auf verbleibende Unklarheiten und Ausnahmefälle richten.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass Leistungsvorgaben nach einer KI-Einführung niemals erhöht werden sollten. Diese Arbeiten rechtfertigen eine solche Regel ebenso wenig wie eine automatische Erhöhung des Arbeitstempos. Sie legen vielmehr nahe zu prüfen, ob zusätzliche Anforderungen mit Handlungsspielräumen einhergehen und ob die verbleibende Arbeit tatsächlich weniger belastend ist. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus den Daten nicht ableiten lässt
Die von Karasek verwendeten Beobachtungsdaten belegen nicht, dass eine bestimmte Veränderung des Arbeitstempos in einem KI-nutzenden Team eine konkrete Wirkung verursacht. Bainbridges Analyse behandelt Automatisierung und liefert keinen übertragbaren Grenzwert für eine vertretbare Produktionsleistung. Die Dauer der Texterstellung allein zu messen reicht deshalb nicht aus: Auch Prüfung, Nachbearbeitung und die Möglichkeit, eine Anfrage aufzuschieben, müssen berücksichtigt werden.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Im Rahmen des SHR-Programms «Die KI-Einführung im eigenen Team gestalten» könnte ein Freiburger Team aus der Lebensmittelwirtschaft oder der zweisprachigen Industrie die KI-gestützte Erstellung nicht sensibler interner Dokumente erproben, gegebenenfalls mit methodischer Unterstützung aus dem Hochschulstandort. Über einen vor Testbeginn festgelegten Zeitraum wären Fälle mit vergleichbarer Komplexität und Sprache mit und ohne Unterstützung zu vergleichen; erfasst würden die Gesamtzeit bis zur Freigabe, die Nachbearbeitungszeit und die tatsächliche Möglichkeit, Anfragen neu zu priorisieren. Die zentrale Kennzahl wäre die Zahl freigegebener Fälle pro insgesamt eingesetzter Arbeitsstunde, ergänzt um erfasste Arbeitszeitüberschreitungen und eine Einschätzung der empfundenen Beanspruchung. Ein höheres Arbeitstempo käme nur infrage, wenn der Vorteil bei vergleichbarer Qualität bestehen bleibt, ohne dass Arbeitszeitüberschreitungen oder Beanspruchung erkennbar zunehmen. Weiterführend: entdecken Sie die KI-Einführung im Team gestalten-Weiterbildung in Freiburg im Kanton Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: KI-Einführung im Team gestalten in Freiburg



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