Ermöglichen Nachtdienstpläne in Sion tatsächlich Erholung?

Im Programm «Psychosoziale Risiken» von SHR — Swiss Human Resources wirft Nachtarbeit Fragen der Arbeitsorganisation ebenso auf wie Fragen der individuellen Prävention. Für Führungskräfte in Sion lautet die konkrete Frage: Wie lässt sich überprüfen, ob die Arbeitszeiten tatsächlich Erholung ermöglichen, statt lediglich den Dienstplan formal einzuhalten?
Was die Literatur belegt
Torbjörn Åkerstedt (2003, Occupational Medicine) beschreibt in einer Literaturübersicht die mit Schichtarbeit, insbesondere Nachtarbeit, verbundenen Störungen des Schlafs und der Wachheit. Tagsüber zu schlafen bedeutet nicht einfach, den Nachtschlaf zeitlich zu verschieben: Biologische Rhythmen erschweren diese Erholung. Eine arbeitsfreie Zeitspanne bietet deshalb eine Gelegenheit zur Ruhe, ist aber kein Nachweis für Erholung.
Der Mechanismus hinter dem Müdigkeitsgefühl
June J. Pilcher und Allen I. Huffcutt (1996, Sleep) zeigen in einer Metaanalyse, dass Schlafentzug unter anderem die Stimmung und die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Dieser Befund beleuchtet einen für Nachtarbeit relevanten Mechanismus, ohne nachzuweisen, dass jeder Nachtdienstplan dieselben Auswirkungen hat. Prävention betrifft somit die Fähigkeit, zuverlässig zu arbeiten, und nicht nur das subjektive Wohlbefinden.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass eine Schulung zu besserem Schlaf genügt oder umgekehrt jede nächtliche Tätigkeit abgeschafft werden sollte. Die Arbeiten rechtfertigen keine dieser pauschalen Antworten: Die Anforderungen an einen durchgehenden Betrieb unterscheiden sich ebenso wie die Schlafmöglichkeiten. Die Führungsaufgabe besteht vielmehr darin, bereits ungünstige Arbeitszeiten nicht durch Verlängerungen oder kurzfristige Änderungen zusätzlich zu verschärfen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was sich aus den Daten nicht ableiten lässt
Eine Übersicht zur Schichtarbeit und eine Metaanalyse zum Schlafentzug erlauben es nicht, für jeden Beruf einen optimalen Dienstplan festzulegen. Experimentelle Situationen mit Schlafentzug bilden die Komplexität einer Spitalabteilung oder eines technischen Einsatzes nicht vollständig ab. Umgekehrt reichen ein regelkonformer Dienstplan und ausbleibende Beschwerden nicht aus, um eine angemessene Erholung zu belegen.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Als vorgeschlagenen Praxistest und nicht als wissenschaftlich validierten Schwellenwert könnte ein Team in Sion oder Umgebung während vier Wochen die tatsächlich geleisteten atypischen Arbeitszeiten erfassen: Einsätze im Bereich Wasserkraft, nächtliche Pflege, sehr frühe Arbeitsbeginne im Weinbau oder späte Dienste im alpinen Tourismus. Die zentrale Kennzahl wäre der Anteil dieser Dienste, deren tatsächliches Ende nach dem geplanten Ende liegt, ergänzt durch die dokumentierten Gründe und einen Vergleich der geplanten mit den tatsächlichen Ruhezeiten. Die Führungskraft würde anschliessend eine wiederkehrende Ursache auswählen, eine Massnahme ergreifen und dieselbe Messung in einem vergleichbaren Zeitraum wiederholen. Im SHR-Programm «Psychosoziale Risiken» bietet dieses Vorgehen eine konkrete Grundlage für die Diskussion über Arbeitsorganisation, ohne eine Dienstplankennzahl zur Gesundheitsdiagnose zu erklären. Weiterführend: entdecken Sie die Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Psychosoziale Risiken in Sitten



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