Risiken präsentieren: Versteht Ihr Publikum den Nenner?

In Bern muss eine Präsentation vor Führungskräften aus der Bundesverwaltung, dem öffentlichen Gesundheitswesen, der Telekommunikation oder der Präzisionsindustrie unter Umständen eine Entscheidung auf Grundlage eines unvollkommenen Signals unterstützen. Die Führungsfrage ist konkret: Wie lässt sich dieses Signal so darstellen, dass das Publikum dessen Zuverlässigkeit von der Wahrscheinlichkeit unterscheidet, dass eine Warnmeldung tatsächlich auf das gesuchte Problem hinweist?
Was die Forschung belegt
Gerd Gigerenzer und Ulrich Hoffrage (1995, Psychological Review) zeigten bei Aufgaben zum bayesianischen Schlussfolgern, dass natürliche Häufigkeiten Schlussfolgerungen erleichtern konnten, die den Teilnehmenden mit Wahrscheinlichkeitsangaben weniger gut gelangen. Diese Häufigkeiten beschreiben ineinander verschachtelte Anzahlen aus einer gemeinsamen Grundgesamtheit statt separat dargestellter bedingter Prozentangaben. Für einen mündlichen Vortrag legt dies nahe, die Ausgangspopulation, die betroffenen Fälle und die ausgelösten Warnmeldungen ausdrücklich darzustellen, statt vorauszusetzen, dass das Publikum ihre Beziehungen von selbst rekonstruiert.
Eine Darstellung, die sich erlernen lässt
Peter Sedlmeier und Gerd Gigerenzer (2001, Journal of Experimental Psychology: General) untersuchten ein Training zum bayesianischen Schlussfolgern, das unter anderem den Aufbau von Darstellungen mit natürlichen Häufigkeiten umfasste. Ihre Ergebnisse sprechen dafür, eine geeignete Darstellung des Problems zu vermitteln, statt sich ausschliesslich auf eine Formel zu verlassen. Der für Vortragende relevante Mechanismus ist somit keine kosmetische Vereinfachung: Er besteht darin, die für die Berechnung benötigten Teilmengen sichtbar zu machen.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, sämtliche Prozentangaben durch Anzahlen zu ersetzen. Damit würde man natürliche Häufigkeiten mit beliebigen Darstellungen ganzer Zahlen verwechseln: Ihr Nutzen liegt darin, die Beziehungen zwischen den Gruppen zu erhalten. Eine Präsentation, die Anzahlen aus unterschiedlichen Grundgesamtheiten nebeneinanderstellt, kann genau jene Schwierigkeit bestehen lassen, die sie zu lösen vorgibt. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Daten nicht belegen
Diese Studien untersuchen Denk- und Lernaufgaben, nicht Vorträge vor Berner Entscheidungsgremien. Sie belegen weder, dass ein Darstellungsformat die Glaubwürdigkeit der vortragenden Person erhöht, noch, dass eine bessere Antwort auf eine Aufgabe zu einer besseren organisatorischen Entscheidung führt. Die Wahl einer Alarmschwelle, die Kosten von Fehlern und die Datenqualität bleiben eigenständige Fragen, die eine klare Präsentation nicht entscheidet.
Eine überprüfbare Praxis in Bern
Im SHR-Programm «Public Speaking & impact» liesse sich in Bern eine Übung mit zwei Fassungen desselben Vortrags testen: eine mit bedingten Wahrscheinlichkeiten, die andere mit natürlichen Häufigkeiten, bei vergleichbarem Inhalt und vergleichbarer Dauer. Der Fall könnte eine Warnmeldung in der Verwaltung, ein Screening, einen Telekommunikationsvorfall oder eine Präzisionsprüfung betreffen, mit dokumentierten Daten und einer vorab berechneten Referenzantwort. Eine zufällige Zuteilung der Teilnehmenden zu den Fassungen und die anschliessende individuelle Frage, welcher Anteil der Warnmeldungen tatsächlich auf das gesuchte Problem hinweist, würden eine überprüfbare Kennzahl liefern: den Anteil korrekter Antworten nach einer vor der Übung festgelegten Bewertungsregel. Dieses lokale Ergebnis würde bei der Wahl eines Präsentationsformats helfen, nicht die generelle Überlegenheit einer Methode belegen. Weiterführend: entdecken Sie die Public Speaking & Wirkung-Weiterbildung in Bern im Kanton Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Public Speaking & Wirkung in Bern



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