Im Büro gesehen werden: Was darf die Führungskraft daraus schliessen?

In der Beziehung zur Führungskraft kann regelmässig beobachtete Anwesenheit das berufliche Ansehen prägen, ohne die Arbeit selbst nachvollziehbarer zu machen. Die präzise Frage lautet deshalb: Wie lässt sich verhindern, dass sichtbare Präsenz zum Standardkriterium für die Beurteilung des Arbeitsbeitrags wird?
Was die Forschung belegt
Kimberly D. Elsbach, Daniel M. Cable und Jeffrey W. Sherman (2010, Human Relations) zeigen, dass allein das Gesehenwerden am Arbeitsplatz spontane Rückschlüsse auf Eigenschaften von Mitarbeitenden auslösen kann, auch ohne Informationen über ihre Tätigkeit. In ihren Untersuchungen begünstigt Anwesenheit während der üblichen Arbeitszeiten die Zuschreibung von Zuverlässigkeit, während Anwesenheit ausserhalb dieser Zeiten die Zuschreibung von Engagement fördert. Dieser Befund betrifft Urteile über die Person, nicht eine nachgewiesene Verbesserung ihrer Leistung.
Der verfügbare Hinweis ist nicht immer der relevanteste
Amos Tversky und Daniel Kahneman (1973, Cognitive Psychology) beschreiben die Verfügbarkeitsheuristik: Bestimmte Einschätzungen beruhen darauf, wie leicht einem Beispiele einfallen. Dieser Mechanismus bietet eine mögliche Erklärung: Eine Führungskraft erinnert sich unter Umständen leichter an beobachtete Anwesenheit als an wenig sichtbare Beiträge. Die Übertragung auf die Führungsbeziehung bleibt eine Interpretation und ist kein in diesem Artikel direkt überprüfter Befund.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, länger im Büro bleiben zu müssen, um eine gute Beziehung zur Führungskraft zu pflegen. Damit würde eine Wahrnehmungsverzerrung zur Verhaltensempfehlung, ohne dass ein Nutzen für die Arbeit belegt wäre. Sinnvoller ist die Unterscheidung zwischen Anwesenheit, die für die Koordination erforderlich ist, und Anwesenheit, die als Ersatz für die Prüfung von Arbeitsbeiträgen dient. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Befunde nicht klären
Diese Studien messen nicht unmittelbar, wie heutige hybride Arbeitsmodelle die Beurteilung durch Führungskräfte beeinflussen. Ebenso wenig belegen sie, dass jede Anwesenheitspflicht willkürlich ist: Bestimmte Tätigkeiten erfordern Verfügbarkeit vor Ort. Problematisch wird die Praxis, wenn diese betriebliche Anforderung und das Urteil über die Arbeitsqualität nicht auseinandergehalten werden.
Eine überprüfbare Praxis in Vevey
In Vevey, in der globalen Lebensmittelwirtschaft, an Konzernhauptsitzen und in den KMU der Riviera, könnte eine Übung im SHR-Programm « Construire une relation efficace avec son manager » darin bestehen, gemeinsam mit der Führungskraft zwischen erforderlicher Präsenz und Belegen für den Beitrag zu einem Projekt zu unterscheiden. Während vier Wochen werden die ausdrücklichen Beurteilungen der Führungskraft zu diesem Projekt und ihre Grundlage festgehalten: ein überprüfbares Arbeitsergebnis, notwendige Koordination oder reine Anwesenheit. Anschliessend wird der Anteil der Beurteilungen berechnet, die sich auf ein Arbeitsergebnis oder einen konkreten Koordinationsvorgang stützen; die Beispiele bleiben zur Überprüfung der Zuordnung erhalten. Diese Aufzeichnung dient der Diskussion über die tatsächlich verwendeten Kriterien, nicht für sich allein der Diagnose einer Wahrnehmungsverzerrung. Weiterführend: entdecken Sie die Eine wirksame Beziehung zur Führungskraft aufbauen-Weiterbildung in Vevey im Kanton Waadt, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Eine wirksame Beziehung zur Führungskraft aufbauen in Vevey



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